Tengelmann verhandelt mit Edeka über eine strategische Partnerschaft

Donnerstag, 16. September 1999

Die Unternehmensgruppe Tengelmann sucht einen strategischen Partner, der das Geschäft mit den Verbraucher- und Supermärkten gemeinsam mit den Mülheimern führt. "Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ein potenzieller Partner in diesem Teilbereich Mehrheitsgesellschafter wird und Tengelmann die unternehmerische Führung abgibt", heißt es bei Tengelmann gegenüber HORIZONT. In Deutschland geht es bei dem Joint-Venture um die Tengelmann-Kette, Kaiser's, Grosse und Magnet. In den Niederlanden steht die Supermarktkette Hermans Groep mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Mark zur Diskussion. In die Verhandlungen eingeschlossen ist die Körperpflegesparte KD mit 540 Filialen und 880 Millionen Mark Jahresumsatz. Insgesamt bringt Tengelmann bei der Partnersuche 1455 Filialen ein. "In Deutschland sind über kurz oder lang nur große Organisationen diesem Druck gewachsen, der unter anderem durch den aktuellen Preiskampf verstärkt wird", begründet ein Mitarbeiter den Schritt. Einher gehen hohe operative Verluste. Derzeit steht die Tengelmann-Gruppe mit einem Umsatz von 26,3 Milliarden Mark auf Platz 5 im deutschen Lebensmittelhandel. Inklusive Hermans Groep geht es bei den Verhandlungen um einen Umsatzanteil von rund 11 Milliarden Mark. Konkrete Gespräche werden mit Edeka geführt. Der Edeka-Konzern nimmt inklusive AVA-Gruppe mit einem Umsatz von 44,7 Milliarden Mark in Deutschland Platz 3 ein. Ziel ist es, die Kooperation noch in diesem Jahr unter Dach und Fach zu bringen. Damit könnte Edeka die Rewe-Gruppe von Platz 2 verdrängen. Verhandlungen mit weiteren Marktteilnehmern jedoch nicht ausgeschlossen. So soll auch der amerikanische Einzalhandelsgigant Wal-Mart stark interessiert sein. Künftig will sich Tengelmann auf die Geschäftsfelder konzentrieren, die international umsetzbar sind. Genannt wird das Discount-Geschäft mit Plus. Derzeit stellt Tengelmann die Ledi-Discount-Filialen auf das Plus-Konzept um. Gleiches gilt für Mini-Discount. In Österreich wird der Name Zielpunkt jedoch aufgrund der namensrechtlichen Situation aufrecht erhalten. Die Zahl der rund 3500 Filialen in sieben Ländern soll auf 5000 Filialen mit einem Umsatz von über 16 Milliarden Mark wachsen. Zu den Geschäftsfeldern, die Tengelmann ausbauen will, gehören die Bau- und Heimwerkermärkte unter der Marke Obi. In diesem Bereich erwartet Tengelmann in den nächsten drei Jahren ein Umsatzplus von jährlich 20 Prozent auf 10 Milliarden Mark. Im Textilbereich setzt die Gruppe weiterhin auf Kik und Takko und das amerikanisch-kanadische Supermarktgeschäft der Great-Atlantic & Pacific Tea Company (A&P). Der Gesamtumsatz der Tengelmann-Gruppe im laufenden Geschäftsjahr soll um plus 10 Prozent auf rund 45 Milliarden Mark steigen.
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