Südafrikanische Bischofskonferenz stutzt Red Bull die Flügel

Dienstag, 20. März 2012
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In Europa sind die Red-Bull-Zeichentrick-Werbefilme ein allgemein akzeptierter Klassiker, in Südafrika vermag die Marke mit ihrem Auftritt allerdings noch zu schockieren. Der Energy-Drink-Hersteller sah sich gezwungen, am 14. März einen TV-Spot nach nur einmaliger Ausstrahlung wieder zurückzuziehen. Die katholische Bischofskonferenz hatte den Spot scharf kritisiert und alle Gläubigen aufgefordert, zum österlichen Fasten auf den Energy Drink zu verzichten. Der Spot, der unter anderem im katholischen Brasilien problemlos ausgestrahlt werden konnte, zeigt Jesus, wie er nach dem Genuss eines Red Bull zur Verblüffung seiner Jünger auf dem Wasser wandelt. Eine erste Vermutung, dass dieses Wunder möglich ist, weil ja Red Bull Flügel verleiht, stellt sich allerdings als falsch heraus. Der auch geistig erfrischte Jesus hat schlicht die Steine im Wasser entdeckt und nutzt sie, um ans sichere Ufer zu kommen. Diese zumindest eigenwillige Interpretation der bekannten Bibel-Geschichte, stieß bei Kardinal Wilfrid Napier, dem Sprecher der Bischofskonferenz, allerdings auf wenig Gegenliebe: "Menschen sind mehr als Konsumenten, und Glaubenssymbole sind mehr als Marketinggelegenheiten."

Nach dem Boykottaufruf der Bischöfe unterbrach Red Bull seine TV-Kampagne und versicherte öffentlich, dass man keine Gefühle habe verletzen wollen. Den Kirchenvertretern ist das allerdings nicht genug. Kardinal Napier fordert, dass die kritisierte Kampagne komplett beendet wird: "Außerdem sollte die Marketingabteilung von Red Bull sich ernsthaft bemühen, ein Sensivitätstraining zu besuchen, um künftig religiösen Überzeugungen mit mehr Respekt zu begegnen." Bei seiner Kritik kann sich der Kardinal der ökumenischen Unterstützung gewiss sein: In einer Solidaritätsbotschaft erklärte der Nationale Islamrat, dass der kritisierte Spot für alle Glaubensrichtungen sei. Der Spot sei ein Angriff säkularer Extremisten. cam
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