Stuttgart 21: Plakat-Kampagnen haben zu wenig Überzeugungskraft

Freitag, 25. November 2011

Noch zwei Tage, dann findet eine Abstimmung statt, die von weiten Teilen der Republik ungeduldig erwartet wurde: In Baden-Württemberg müssen die Landesbewohner entscheiden, ob sich ihre Regierung an den Kosten des umstrittenen Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 beteiligen soll. Sowohl Gegner als auch Befürworter haben sich in den vergangenen Monaten mächtig ins Zeug gelegt, um so viele Menschen wie möglich zu mobiliseren. Die Kampagnen überzeugen jedoch nur teilweise. Die Aufgabe ist denkbar einfach: Wer gegen Stuttgart 21 ist, stimmt mit "Nein", Befürworter kreuzen "Ja" an. Doch genau das ist leider falsch. Bei der Volksabstimmung geht es um eine Gesetzesänderung: Bislang ist das Land Baden-Württemberg verpflichtet, die Kosten für das Projekt mitzutragen. Entscheidet am 27. November die Mehrheit der Baden-Württemberger sich für das "Gesetz über die Ausübung von Kündigungsrechten bei den vertraglichen Vereinbarungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21", muss das Land nicht zahlen.

Diesen Sachverhalt auf Plakaten schlüssig darzulegen und gleichzeitig emotional zu überzeugen, ist keine leichte Aufgabe. Wie den Initiativen das gelingt, haben Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim in einer nicht repräsentativen Studie unter 348 Stuttgarter Bürgern untersucht. Das Ergebnis: "Wenn es um das geplante Abstimmungsverhalten der Stuttgarter Befragten zum Thema S21 geht, lösen die Plakat-Kampagnen zwar Wanderungen zwischen den beiden Lagern und den Unentschiedenen aus. Doch unterm Strich gleichen sich diese weitgehend aus", sagt Professor Frank Brettschneider vom Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft.

Die besten Werte bei Sympathie, Überzeugungskraft und Verständlichkeit erzielte demnach die bunte Kampagne des Landesbündnisses "Ja zum Ausstieg". Die Plakate von "Pro Stuttgart 21" hingegen überzeugte die Befragten in punkto Glaubwürdigkeit und Sachlichkeit. Einen klaren Verlierer förderte die Studie auch zutage: Die Motive der "IG Bürger für Baden-Württemberg" warben mit dem Slogan "Wir sind doch nicht blöd" für Stuttgart 21. In keiner Kategorie habe es die Kampagne auf die erste drei Plätze geschafft, so Studienleiter Jan Kercher.

Die komplizierte Formulierung des zur Abstimmung stehenden Gesetzes macht die Slogans der Plakate zum entscheidenden Teil - das Design verliert dagegen fast an Bedeutung. Dementsprechend schwierig gestaltete es sich für die Befragten, die Motive einer Initiative zuzuordnen, wenn der Text fehlte. "Im schlechtesten Fall hat mehr als ein Drittel der Teilnehmer die Botschaft falsch zugeordnet", so Brettschneider.

Nach Betrachtung der Plakate, so das Fazit der Studie, haben lediglich 23 Befragte ihre Abstimmungspräferenz geändert. Für Kercher dennoch ein unerwartetetes Ergebnis: "Angesichts der bereits lang andauernden Diskussion um Stuttgart 21 und der verhärteten Fronten ein überraschend hoher Wert." ire
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