Studie: Unternehmen sparen am falschen Ende

Montag, 22. April 2002

Zwei Drittel der Unternehmen veranlassen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kurzfristig wirkende Kostensenkungen wie beispielsweise Kürzungen von Etats für Forschung und Entwicklung, um schnell messbare Resultate vorweisen zu können. Diese kurzfristigen Maßnahmen werden häufig ergriffen, um Analysten und Aktionäre zu beeindrucken, haben aber keine langfristige Wirkung. In der Regel sind nach zwei bis drei Jahren die eingesparten Kostenblocks wieder aufgebaut. Zu diesem Ergebnis kommt eine weltweite Studie über Unternehmensstrategien zum Thema Kostensenkung, die das Marktforschungsunternehmen Arnold + Bolingbroke im Auftrag von Pricewaterhouse Coopers von Januar bis März 2002 durchgeführt hat.

Danach erklären rund 90 Prozent der fast 600 befragten Führungskräfte (überwiegend Finanzvorstände) aus Branchen wie Konsumgüter, Handel, Informationstechnologie und Automobilbau, dass Unternehmen auch in wirtschaftlich schwächeren Phasen langfristige Investitionen zur Steigerung des Firmenwertes vornehmen müssten. Trotzdem haben zwei Drittel der Unternehmen bereits Investitionen in Forschung und Entwicklung zurückgestellt oder ganz gestrichen. Knapp 75 Prozent aller Befragten räumen ein, dass ihre Firmen dabei oft falsche Prioritäten setzen und dort kürzen, wo am schnellsten Resultate sichtbar werden und nicht dort, wo es langfristig am sinnvollsten wäre.

Die Studie belegt deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Für die befragten deutschen Führungskräfte ist die kurzfristige Befriedigung von Analysten- und Aktionärswünschen weniger entscheidend als für ihre Kollegen in anderen Ländern. Im Gegensatz zu rund zwei Dritteln aller CFOs haben in Deutschland nur 58 Prozent der Manager das Gefühl, durch eine Kultur der reinen Selbsterhaltung zu kurzfristigen Sparmaßnahmen gezwungen zu werden. Dagegen legen 80 Prozent der deutschen Manager großen Wert auf konsequente, langfristig wirksame Maßnahmen. Den Abbau nichtrentabler Betriebsteile halten 80 Prozent der deutschen Finanzchefs für besser geeignet um Kosten zu sparen. Über zwei Drittel der Befragten würden zur Kostendämpfung auch die Zahl der Mitarbeiter reduzieren.
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