Studie: Image deutscher Unternehmen bröckelt im Heimatmarkt

Montag, 29. Januar 2007

Deutsche Unternehmen genießen weltweit großes Vertrauen. Das geht aus dem jährlich erhobenen Trust Barometer hervor, für den die PR-Agentur Edelman 3.100 Meinungsführer in 18 Ländern befragt hat. Danach erreichen die hiesigen Unternehmen mit einem Wert von 79 Prozent weltweit die höchsten Vertrauenswerte vor Schweden und Canada mit jeweils 77 Prozent. Der Wermutstropfen: In ihrem Heimatmarkt werden die deutschen Unternehmen deutlich schlechter bewertet. So geben etwa nur 57 Prozent der Deutschen an, Siemens zu vertrauen. In Ländern wie China (93 Prozent), Russland (87 Prozent) und Brasilien (77 Prozent) steht der Münchner Konzern deutlich besser da.

Auch insgesamt treten die Deutschen der Wirtschaft skeptischer entgegen als die Verbraucher in anderen Ländern. Deutschland ist das einzige Land der Untersuchung, in dem die große Mehrheit (58 Prozent) glaubt, die Wirtschaft habe eher einen negativen Einfluss auf die Gesellschaft. Nur ein knappes Drittel (31 Prozent) sieht eher positive Auswirkungen.

Damit nimmt Deutschland eine Sonderrole ein. In 16 Ländern wird der Einfluss der Wirtschaft auf die Gesellschaft von mehr Befragten positiv als negativ beurteilt.

Wenn es darum geht, welchen Menschen die befragten Meinungsführer in Bezug auf Unternehmen vertrauen, genießen die "normalen Mitarbeiter" und "Menschen wie du und ich" in Europa und Nordamerika durchweg ein weit höheres Vertrauen als das Topmanagement (CEOs) und offizielle Sprecher der Unternehmen. "Menschen wie du und ich" sind in Europa, Nord- und Lateinamerika weiterhin die Gruppe, der Meinungsführer am meisten vertrauen.

"Das mangelnde und - speziell in Deutschland - weiter abnehmende Vertrauen in Unternehmen stellt vor allem an die Unternehmensspitze große Herausforderungen in puncto Kommunikation", betont Edelman-Deutschlandchefin Cornelia Kunze: "Neben der Nutzung klassischer Medienkanäle werden die horizontale Kommunikation und Dialoge immer wichtiger, um Vertrauen zu bilden." Ein CEO sollte deshalb zwar weiterhin mit Investoren und Regulatoren sprechen, aber Mitarbeiter und engagierte Kunden genau so ernst nehmen, empfiehlt Kunze: "Diese sind wichtige und vertrauenswürdige Multiplikatoren." mas

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