Strategischer Partner soll Portalpläne von AOL sichern

Donnerstag, 17. August 2006

Der Hamburger Onlinedienst AOL Deutschland will die für September geplante Veräußerung seiner Internet-Zugangssparte für einen Befreiungsschlag im Portalgeschäft nutzen. "Unser Ziel ist es, mit dem Käufer eine strategische Partnerschaft einzugehen. Wer uns weiterbringt, wird bevorzugt behandelt", kündigt Deutschlandchef Charles Fränkl im HORIZONT-Interview an. Geht es nach Fränkl, wird das Unternehmen künftig neben dem eigenen Portal auch das des Käufers betreiben, der zurzeit aus dem Bieterkreis um United Internet (Web.de, GMX), Freenet, Versatel, Telecom Italia und der E-Plus-Mutter KPN ermittelt wird. "Dabei wäre ein Cobranding vorstellbar, bei dem AOL Inhalte unter eigener Marke integriert", so Fränkl. Auch die Vermarktung der Partnersite will die Time-Warner-Tochter übernehmen. Die Allianz soll verhindern, dass die Reichweite nach dem Verkauf der Access-Sparte einbricht. Experten zufolge erzielt AOL bislang mehr als 80 Prozent seiner Zugriffe über das Zugangsportal. Zudem sollen über die Partnerschaft neue Zielgruppen erschlossen werden. Ziel sei es, unter die drei reichweitenstärksten deutschen Web-Angebote vorzustoßen.

Weiteren Rückenwind erhofft sich Fränkl von der inhaltlichen Neuausrichtung. So werde AOL Nutzern künftig anbieten, eigene Inhalte im Web zu veröffentlichen und sich auf Social-Network-Sites auszutauschen.

Mit der Offensive reagiert Fränkl auf den kürzlich verkündeten weltweiten Strategiewechsel des Konzerns. Dieser sieht eine Fokussierung auf das Portalgeschäft vor, das sich zu großen Teilen über Onlinewerbung finanziert. Dass AOL damit auch als Werbungtreibender wesentlich kürzer treten wird, zeigen die Pläne für Deutschland, wo bislang rund 80 Prozent des Etats für die DSL-Neukundengewinnung eingesetzt wurden. Als Folge der anstehenden Budgetkürzung soll der Mediamix deutlich zugunsten des Internet verändert werden. Auf TV-Werbung will Fränkl offenbar verzichten. "Angesichts der unverhältnismäßig hohen TV-Preise müsste jemand schon gewichtige Argumente anführen, um mich davon zu überzeugen." mas

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 33/2006, die am Donnerstag, 17. August erscheint.

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