Sorry, China: Warum Apple im Streit um Garantieleistungen einknickt

Dienstag, 02. April 2013
Das Apfel-Logo soll in China weiterhin strahlen: Apple-Standort in Shanghai
Das Apfel-Logo soll in China weiterhin strahlen: Apple-Standort in Shanghai
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Apple China Garantieleistung Tim Cook Amazon USA Verschiebung


In der Beziehung zwischen Konsumenten und Herstellern bahnt sich eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse an. Nachdem der E-Commerce-Riese Amazon kürzlich die Wut der Deutschen zu spüren bekam und sich nach einer Protestwelle am Ende von diversen Dienstleistern trennen musste, beugt sich jetzt auch Apple dem Willen der Konsumenten. Konzernchef Tim Cook hat sich bei den chinesischen Apple-Kunden wegen der als unfair kritisierten Garantieleistungen entschuldigt und Änderungen angekündigt. Der Schritt zeigt, in welchem Ausmaß der Erfolg großer Konzerne inzwischen vom chinesischen Markt abhängt.
Kündigt Korrekturen an: Apple-Chef Tim Cook
Kündigt Korrekturen an: Apple-Chef Tim Cook
Auf der chinesischen Apple-Website verspricht CEO Tim Cook, dass der Konzern die als unfair kritisierten Gewährleistungsfristen und Serviceleistungen überarbeiten wird. "Wegen mangelhafter Kommunikation nach außen empfinden einige Apples Haltung hinsichtlich des Kunden-Feedbacks als arrogant, nachlässig und gleichgültig", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus der Mitteilung des Apple-Chefs. Der Konzern habe die Beschwerden zum Anlass genommen, über die Regelungen nachzudenken und nun die Konsequenzen daraus gezogen.

Smartphone-Absatz in ausgewählten Ländern 2013 und 2017

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Der Proteststurm gegen Apple begann Mitte März mit einem kritischen Bericht des Staatsfernsehens CCTV zum Weltverbrauchertag. In dem TV-Beitrag wurden Apple aufgrund massiver Verbraucherbeschwerden Mängel im Kundenservice vorgeworfen. Die Kritiker monieren, dass für chinesische Kunden andere Regeln gelten als für Verbraucher in anderen Ländern. Nachdem Apple zunächst nicht auf die Vorwürfe reagierte, forderte der Chinesische Verbraucherverband China Consumer's Association das Unternehmen dazu auf, sich "aufrichtig bei den chinesischen Verbrauchern zu entschuldigen" und "sorgfältig die Probleme zu beheben".

Smartphones: Prognose zu den Marktanteilen ausgewählter Länder 2013 und 2017

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Dass Apple dieser Aufforderung nun nachkommt, ist kein Wunder, denn China ist für Apple einer der wichtigsten Absatzmärkte. Im ersten Quartal war der Umsatz des Konzerns in China sowie Taiwan und Hongkong gegenüber dem Vorjahr um 67 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar angestiegen. Vor allem für das iPhone ist China ein Schlüsselmarkt. Wie aus einer aktuellen Studie das Marktforschers IDC hervorgeht, hat das Reich der Mitte die USA als weltgrößter Smartphone-Markt längst überholt. In diesem Jahr sollen in China sage und schreibe 301 Millionen Smartphones über den Ladentisch gehen. Gemessen am Gesamtabsatz in Höhe von 918 Millionen Geräten entspricht das einem Marktanteil von 32,8 Prozent. Die USA liegt mit 137 Millionen Geräten beziehungsweise 15 Prozent Marktanteil bereits abgeschlagen auf Rang 2, gefolgt von Großbritannien (35,5 Millionen Geräte / 3,9 Prozent), Japan (35,2 Millionen Geräte / 3,8 Prozent), Brasilien (28,9 Millionen Geräte / 3,1 Prozent) und Indien (27,8 Millionen Geräte / 3 Prozent).

Prognose zum Absatz von Smartphones weltweit 2010 bis 2017

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Die Abhängigkeit der Technologiekonzerns vom chinesischen Markt wird der Prognose zufolge sogar noch deutlich zunehmen: IDC sagt voraus, dass die Zahl der verkauften Smartphones in China bis 2017 nocheinmal um 52 Prozent auf dann 458 Millionen Stück zulegt. Der Marktanteil Chinas im Jahr 2017 soll rund 30 Prozent betragen. Das Wachstum in den USA wird laut IDC mit 33 Prozent beziehungsweise 183 Millionen Smartphones im Jahr 2017 deutlich niedriger ausfallen. Der Anteil der Geräte, die 2017 in den USA verkauft werden, soll wegen der steigenden Nachfrage in Schwellenländern wie Indien (plus 459 Prozent) und Brasilien (plus 129 Prozent) sogar auf nur noch 12,1 Prozent sinken.

In China erntet Apple-Chef Tim Cook für seine Entschuldigung reichlich Applaus. "Der Entschuldigungsbrief hat die Lage entschärft und lockert das Verhältnis zwischen Apple und dem chinesischen Markt auf", zitiert Reuters aus der "Global Times", die vom KP-Zentralorgan "People's Daily" veröffentlich wird. Die Reaktion verdiene im Vergleich zu anderen amerikanischen Firmen Respekt. Auch das Außenministerium begrüßte das "gewissenhafte" Eingehen auf die Bedürfnisse der Verbraucher. mas
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