Sony Ericsson stirbt als Handymarke

Dienstag, 10. Januar 2012
Nach 10 Jahren ist die Marke Sony Ericsson Geschichte
Nach 10 Jahren ist die Marke Sony Ericsson Geschichte

Aus, vorbei, das war´s: Die Marke Sony Ericsson verschwindet endgültig in der Versenkung. Während sich der Konzern nach Bekanntgabe der Komplettübernahme durch Sony im Oktober 2011 lange vor konkreten Aussagen zur künftigen Markenstrategie drückte, herrscht jetzt Klarheit: "Es wird keine neuen Smartphones von Sony Ericsson mehr geben", erklärt eine Sprecherin des Handyherstellers gegenüber HORIZONT.NET. Stattdessen wird sich Sony künftig auch als Anbieter von Mobiltelefonen positionieren.
Das erste Sony-Smartphone wird im 1. Quartal 2012 auf den Markt kommen
Das erste Sony-Smartphone wird im 1. Quartal 2012 auf den Markt kommen
Nach Angaben der Sprecherin wird Sony Ericsson nach der für das 1. Quartal anvisierten Genehmigung des gut eine Milliarde Euro schweren Deals durch die Kartellbehörden als hundertprozentige Tochter bei Sony eingegliedert. Unter dem Namen Sony Mobile Communications wird das Unternehmen ausschließlich Smartphones entwickeln - der Absender ist künftig allerdings eben nicht mehr Sony Ericsson, sondern Sony. Auch die Produktmarke steht bereits fest: Alle Sony-Smartphones, von denen in diesem Jahr voraussichtlich eine zweistellige Anzahl auf den Markt kommen soll, werden bis auf weiteres unter der Marke Xperia vermarktet. Xperia ergänzt damit die übrigen Sony-Subbrands wie Bravia (TV-Geräte), Vaio (IT), Walkman (MP3-Player), Cyber-shot (Kompaktkameras), Alpha (Spiegelreflexkameras), Handycam (Camcorder) und Reader (Elektronische Lesegeräte).

Einen Blick auf das erste Xperia aus dem Hause Sony konnten gestern mit etwas Glück die Besucher der Consumer Electronics Show in Las Vegas erhaschen. Dort wurde mit dem Xperia S das erste Mobiltelefon mit dem Sony-Logo vorgestellt. Das 500 Euro teure Gerät mit HD-Display, 12 Megapixel-Kamera und HD-Frontkamera soll noch im Laufe des ersten Quartals 2012 auf den Markt kommen - und kräftig beworben werden.

Nach Angaben der Sprecherin arbeitet die weltweite Leadagentur McCann Erickson bereits an der internationalen Launch-Kampagne. Ob die Agentur den Etat der Handymarke nach der Eingliederung bei Sony behält, ist allerdings noch offen. Die Sprecherin will nicht ausschließen, dass Sony die Agenturbeziehungen auf den Prüfstand stellt. Davon wäre dann gegebenenfalls auch die Frankfurter Agentur Saatchi & Saatchi betroffen, die teils eigene Kampagnen für Deutschland entwickelt und internationale Auftritte adaptiert. Sony arbeitete bei globalen Kampagnen zuletzt in der Regel mit der Kreativschmiede Anomaly mit Sitz in London und New York zusammen. In Deutschland ist seit Mitte 2011 die Kölner Kreativagentur bplusd am Ruder, die Konsolenschwester Sony Computer Entertainment hatte den lange Jahre von TBWA gehaltenen Playstation-Etat im April 2011 an die Frankfurter Agentur  Lommel Ludwig vergeben.

Mit Sony Ericsson stirbt eine Handymarke, die auf eine 10-jährige, teils glanzvolle Geschichte zurückblicken kann. In Deutschland wurde das 2001 von Sony und dem schwedischen Ericsson-Konzern gegründete 50:50-Joint-Venture gleich mehrfach mit dem Best Brands Award ausgezeichnet. Allerdings verlor Sony Ericsson in den vergangenen Jahren stetig an Bedeutung. So sank der weltweite Marktanteil von Sony Ericsson bei herkömmlichen Mobiltelefonen nach den Berechnungen des Marktforschers IDC im 1. Halbjahr 2011 auf nur noch knapp 5 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 hatte der Marktanteil noch bei stolzen 32,7 Prozent gelegen. Im Smartphone-Segment ist der Marktanteil seit 2007 von 13,7 auf 3,2 Prozent gesunken. mas
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