Skandaltruppe: Französische Nationalmannschaft verliert Sponsoren

Dienstag, 22. Juni 2010
Der Gesichtsausdruck sagt alles: Bayern-Star Frank Ribery im Frankreich-Dress (Bild: Adidas)
Der Gesichtsausdruck sagt alles: Bayern-Star Frank Ribery im Frankreich-Dress (Bild: Adidas)

Das miserable Auftreten der französischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hat auch wirtschaftliche Folgen. Die französische Bank Credit Agricole hat angekündigt, sich als Geldgeber der mittlerweile aus dem Turnier ausgeschiedenen Nationalelf zurückzuziehen. Die Fastfoodkette Quick zog zuvor einen Werbespot mit Nationalspieler Nicolas Anelka zurück, nachdem er Nationaltrainer Raymond Domenech übel beschimpft hatte und anschließend aus der Mannschaft flog. Sponsoring-Experten fordern nun eine schnelle Reaktion, um das Abwandern weiterer Sponsoren zu verhindern. Die Fans dürften das heutige WM-Aus der Franzosen verkraften. Die sportliche Leistung sowie die chaotische Darstellung des Teams insgesamt ist in Frankreich schon vor dem finalen Gruppenspiel auf Unverständnis gestoßen. Nach dem geschlossenen Trainingsboykott am Sonntag, der auf einen Streit zwischen Mannschaft und Trainerstab folgte, war die Beliebtheit der eigenen Nationalelf schlagartig gesunken: Einer Umfrage des Fernsehsenders TF1 zufolge wollten drei Viertel der Befragten garnicht mehr, dass Frankreich Weltmeister wird.

Raphael Brinkert
Raphael Brinkert
Raphael Brinkert, Geschäftsführer bei Scholz & Friends NRW und Sponsoringexperte, empfindet die Gemütslage der Franzosen nachvollziehbar: „Seit dem Kopfstoß von Zidane im WM-Finale 2006 verkommt die Equipe Tricolore zu Les Miserables - ein Prozess, der absehbar war und nun in Südafrika seine letzten unrühmlichen Höhepunkte findet." Brinkert, der unter anderem die Deutsche Fußball Liga (DFL) zu seinen Kunden zählt, rät zu einer schnellen Reaktion, um das Abwandern weiterer Sponsoren zu verhindern: Der französische Verband und die Spieler können Ehre und Sponsoren-Gelder retten, indem sie - analog dem WM-Erfolg 1998 - als Mannschaft zum eigenen Volk sprechen, sich für die Skandale der letzten Monate entschuldigen und mit einer Art Fairplay- und Teamgeist-Programm antworten."

Bislang ist kein weiterer Mannschaftssponsor dem Beispiel Credit Agricole gefolgt, alarmiert sind die Partner gleichwohl. So zitiert Faz.net den Energiekonzern GDF Suez, einer der Hauptsponsoren des französischen Fußballverbandes FFF, wie folgt: „Wir schauen uns jetzt alle Verträge bis zur WM 2014 in Brasilien an. Die Dinge können nicht so bleiben, wie sie sind." Glück im Unglück hat Adidas, wann man so will: Der langjährige Ausrüstervertrag endet ohnehin nächstes Jahr. Nike hatte die Drei-Streifen-Marke im Vertragspoker geschlagen und dafür tief in die Tasche gegriffen.

Weil die Dinge aber ohnehin nicht bleiben, wie sie sind, empfiehlt Brinkert den bestehenden Partnern Durchhaltevermögen: „Die Sponsoren tun gut daran, nicht vorschnell zu handeln - mit Laurant Blanc ist der Domenech-Nachfolger bereits bekannt. Der Zidane-Spezi wird die Unruhen beenden, die Spieler wieder zu einer Mannschaft formen und so langfristig erfolgreich sein." mh
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