Seehofer legt Verbotskatalog für Alkoholwerbung vor

Freitag, 05. Juni 1998

Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer hat jetzt seine Pläne zur Einschränkung von Alkoholwerbung konkretisiert. Den Organisationen der Werbewirtschaft liegt ein Entwurf vor, nach dem TV- und Hörfunk-Werbung für alkoholische Getränke zwischen 11 und 22 Uhr vollständig eliminiert werden soll, ebenso die Werbung bei Sportveranstaltungen, an Sportstätten und auf Trikots von Sportlern. Kinowerbung für Alkoholika soll nur noch bei Filmen ab 16 Jahre zugelassen werden. Außerdem ist geplant,daß jegliche Werbung für alkoholhaltige Getränke Warnhinweise enthalten soll - allgemeiner Art sowie auch Hinweise für Schwangere, Drogensüchtige und Patienten. Nach Ansicht des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) macht Seehofer mit diesem Entwurf die "janusköpfige Politik" seines Ministeriums offenbar: einerseits entrüste sich der Minister über das EU-Tabakwerbeverbot, andererseits bereite er unter dem Etikett der "freiwilligen Verhaltensregeln" den Einstieg in den Ausstieg der Werbung für eine weitere Produktgruppe vor. Die Folgen seien unabsehbar, so der ZAW weiter. Unter anderem entfiele ein wesentlicher Teil der Finanzierung von Sportveranstaltungen und ihrer Übertragung im Fernsehen. Betroffen wäre auch die betriebswirtschaftliche Existenz von privaten TV-und Hörfunk-Veranstaltern, deren Werbeeinnahmen aus diesem Bereich insgesamt gegenwärtig knapp 1 Milliarde Mark betragen. Der ZAW verweist außerdem darauf, daß den Plänen Seehofers zum Schutz besonders der Jugendlichen die Tatsache entgegenstehe, daß der Konsum von Alkohol insbesondere auch in dieser Altersgruppe seit Jahren rückläufig sei.
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