"Schrei vor Glück": Zalando knackt die Milliarden-Grenze

Freitag, 15. Februar 2013
-
-

Schritt für Schritt macht sich Zalando fit für den allgemein erwarteten Börsengang. Und mit der Bilanz für das Geschäftsjahr 2012 dürfte der Berliner Mode- und Lifestylehändler eine wesentliche Hürde auf diesem Weg genommen haben. Mit einem Netto-Umsatz von 1,15 Milliarden Euro knackte der Online-Händler nicht nur die psychologisch wichtige 1-Milliarde-Grenze, sondern konnte auch im Vorjahresvergleich den Netto-Umsatz mehr als verdoppeln. Aber vielleicht wichtiger noch: Zalando meldet erstmals den Break-Even für die DACH-Region, wo das Unternehmen mehr als die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet
. Genau diesen Erfolg hatten Kritiker in der Vergangenheit immer wieder für unmöglich gehalten. Denn Zalando hatte bisher stets in ein werbegetriebenes Umsatzwachstum investiert und dabei auch überdurchschnittlich hohe Retouren-Quoten in Kauf genommen. In dem ersten Unternehmens-Claim "Schrei vor Glück oder schick's zurück" hatte der Berliner E-Commerce-Konzern das problemlose Zurückschicken bestellter Produkte zum Unternehmens-USP geadelt.

Mittlerweile ist der Claim auf "Schrei vor Glück" gekürzt und auch sonst versucht Zalando mit verfeinerten Auswahlmechanismen auf der Homepage und intensivierten Beratungsangeboten die Retourenquote zu drücken. Auch wenn sich das Unternehmen offiziell noch nicht zu der Entwicklung der Quote äußert geht aus dem Geschäftsbericht von Zalandos-Hauptinvestor hervor, dass die Retourenquote bei derzeit 50 Prozent liegt. Das wäre eine deutliche Verbesserung zu den 70 Prozent, die in früheren Jahren kolportiert wurden.

Zalando will aber auch weiterhin seinen Umsatz durch Neugeschäft steigern. So expandierte Zalando 2012 in sieben weitere Länder. In diesem Jahr dürften weitere Märkte dazukommen. Darüber hinaus erweitert der Online-Händler auch sein Sortiment. Nach Schuhen, Mode- und Sportikel vertreibt der Händler jetzt auch Wohnaccesoires und Kosmetik-Artikel. Ende Januar meldete die "Lebensmittel Zeitung" sogar, dass Zalando den Einstieg in den Spielwarenhandel zum 4. Quartal 2013 prüfe. Eine Meldung, die das Unternehmen allerdings bisher dementiert.

Ob das erst seit vier Jahren bestehende Unternehmen tatsächlich das Zeug zur Börsen-Erfolgsgeschichte hat, muss sich aber erst noch zeigen. Denn der Gesamt-Unternehmensgewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) fällt nach den vorläufigen Zahlen mit einem Verlust von 90 Millionen Euro sogar um 50 Prozent höher als der Vorjahresverlust aus. Eine Negativ-Entwicklung, die kaum zu dem erwünschten Gesamtbild eines profitablen Global Players passt.  cam
Meist gelesen
stats