Schock für Verleger: Aldi Süd weitet Anzeigenverzicht aus

Freitag, 08. April 2011
Aldi weitet seinen Rückzug aus Tageszeitungen aus
Aldi weitet seinen Rückzug aus Tageszeitungen aus


Aldi raubt den Verlegern mal wieder den Schlaf. Seit Monatsbeginn hat der Discounter seinen Verzicht auf Tageszeitungsanzeigen ausgedehnt. Mit dem Großraum München und dem Rhein-Main-Gebiet sind zwei Ballungsräume von Aldi Süd hinzugekommen. Dies berichtet der HORIZONT-Schwestertitel "Lebensmittel Zeitung" (LZ) in seiner heutigen Ausgabe. Vor einem Jahr hatte Aldi Süd in großen Teilen Baden-Württembergs den Tageszeitungen den Rücken gekehrt, um Alternativen zu erproben. Jetzt geht der Mülheimer Discounter noch einen Schritt weiter und versucht, im Großraum München sowie im Rhein-Main-Gebiet weitgehend ohne Anzeigen in Tageszeitungen auszukommen. Betroffen sind unter anderem der "Münchener Merkur", die ohnehin stark angeschlagene und von Entlassungen gebeutelte "Frankfurter Rundschau" und die Rhein-Main-Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Discounter sucht offensichtlich nach Ergänzungen zu den bisherigen Medien. So denkt Aldi etwa über Anzeigen in kostenlosen Wochenzeitungen oder Prospekte nach, die direkt an die Haushalte verteilt werden.

ZMG: "Aldi experimentiert nur in einzelnen Regionen"

ZMG: "Aldi experimentiert nur in einzelnen Regionen"
Die Zeitungs Marketing Gesellschaft (ZMG) versucht den Eindruck zu zerstreuen, dass Aldi im großen Stil Anzeigenvolumen aus den Tageszeitungen abzieht. Der aktuelle Anzeigenverzicht im Rhein-Main-Gebiet und im Raum München sei das Experiment einzelner Regionalgesellschaften und keine allgemeine Entwicklung. "Aus den uns vorliegenden Zahlen und Statistiken können wir keinen allgemeinen Trend erkennen", versichert Markus Ruppe, Geschäftsführer der ZMG mit Sitz in Frankfurt gegenüber HORIZONT.NET. weiterlesen

Der organisatorische Aufwand für die Umstellung ist enorm hoch. "Es geht Aldi darum, möglichst viele Haushalte zu erreichen. Das ist eindeutig keine Sparmaßnahme. Es wird eher etwas teurer", kommentiert ein Experte für Handelswerbung gegenüber der "LZ" den Schritt des Discounters.

Zudem ist Aldis Vorstoß nicht ohne Risiko: Verlage verweisen gerne auf die Kaufkraft ihrer Leser - und dass diese dem Händler eine gute Frequenz bescheren. Aldi setzte dagegen, dass Kunden im unteren und mittleren Einkommensbereich über Tageszeitungen nicht optimal erreichbar seien. Diese glaubt der Discounter über andere Kanäle wie Direktmarketing besser erreichen zu können.

Ganz will Aldi jedoch nicht auf Tageszeitungen verzichten, insbesondere Preissenkungen und Aktionen will das Unternehmen weiterhin in der Tagespresse verkünden. "Waren es bisher 110 bis 120 Seiten im Jahr, sind es jetzt noch 20 bis 30", schreibt die "LZ" unter Berufung auf einen Verlagsmanager. Im vergangenen Jahr war Aldi bundesweit mit rund 385 Millionen Euro Spendings werbestärkstes Unternehmen in Zeitungen. mir/ire 
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