Schlecker geht in die Insolvenz und legt Kampagne auf Eis

Freitag, 20. Januar 2012
Der Claim "For You. Vor Ort" lebt von der bislang hohen Filialdichte
Der Claim "For You. Vor Ort" lebt von der bislang hohen Filialdichte

Mit dem Claim "For You. Vor Ort" versucht Schlecker seit knapp einem Jahr, sein traditionell dichtes Filialnetz auch kommunikativ auszuschlachten. Jetzt stellt sich die Frage, ob dieses "Alleinstellungsmerkmal" überhaupt noch lange Bestand hat. Nachdem in den vergangenen Monaten bereits rund 600 Schlecker-Läden schließen mussten, steht die Ehinger Drogeriekette nun möglicherweise endgültig vor der Pleite. Seit dem heutigen Freitag ist es offiziell: Schlecker wird einen Antrag auf Insolvenz stellen. Wie ein Sprecher gegenüber HORIZONT.NET erklärt, wird der Antrag bereits in Kürze eingereicht, gegebenenfalls sogar noch in dieser Woche. Begründet wird der Schritt damit, dass die notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen im zeitlich gesetzten Rahmen nicht realisiert werden können. Auch eine geplante Zwischenfinanzierung ist geplatzt.

Kommentar: Die Lehren aus der Schlecker-Pleite

Dass Schlecker die geplante Insolvenz einleiten musste, kann Leser der Fach- und Wirtschaftpresse nicht wirklich überraschen. Seit vielen Monaten ziehen sich schon die Probleme des Discount-Drogeristen hin, die letztlich zu diesem drastischen Schritt führten. Doch Schleckers Schicksal muss anderen klassischen Handelsunternehmen als eindrückliche Warnung dienen, denn das Aus für Schlecker ist auch ein Aus für das klassische Erfolgsrezept des deutschen Discounts. Vier Faktoren waren für das K.O. der Marke Schlecker verantwortlich. Weiterlesen

Schlecker schreibt seit Jahren Verluste, hat aber dennoch zuletzt massiv investiert, um die Wende einzuleiten. Eigenen Angaben zufolge ließ sich das Unternehmen allein die Modernisierung seiner Filialen rund 230 Millionen Euro kosten. Auch für die Werbeoffensive im vergangenen Jahr machte Schlecker weitaus mehr Geld locker als in den Vorjahren.

Mit dem Gang vor den Insolvenzrichter verbindet Schlecker freilich nach wie vor die Hoffnung auf ein Happy End. Ziel sei es, die "Restrukturierung im Rahmen der Möglichkeiten eines Plan- Insolvenzverfahren" fortzusetzen. 

Bei der sogenannten „geplanten Insolvenz“ hat Schlecker nach eigenen Angaben die Möglichkeit, selbst einen Vorschlag für die Sanierung vorzulegen. Im Falle einer Zustimmung durch die Gläubiger bleibe die aktuelle Geschäftsführung im Amt. Der noch zu bestellende Insolvenzverwalter werde dann nur "begleitend tätig", teilt das Unternehmen mit. Ziel sei es, einen großen Teil des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze zu erhalten.

Schlecker hat bereits Hunderte Filialen geschlossen
Schlecker hat bereits Hunderte Filialen geschlossen
Wieviele Standorte nach der jüngsten Schließungswelle überhaupt noch übrig sind, verrät Schlecker nicht. Nach Informationen der "Lebensmittelzeitung" ("LZ") ist das Filialnetz der Drogeriekette in den vergangenen Jahren aber massiv ausgedünnt worden. Von den knapp 11.000 Standorten, die Schlecker 2006 in Deutschland betrieb, wurden nach Informationen des "HORIZONT"-Schwestertitels bis Ende 2011 rund 4000 geschlossen. Bis Ende 2012 - berichtet die "LZ" unter Berufung auf "gut informierte Unternehmenskreise" - werde die Zahl der Läden noch einmal auf dann maximal 6000 sinken.

Unmittelbare Auswirkungen auf die Werbeaktivitäten des Unternehmens hat der Insolvenzantrag derzeit nicht. Der Grund: Angesichts der akuten Schieflage wurden sämtliche Kampagnen ohnehin bereits Ende 2011 gestoppt. "In diesem Jahr hat es von Schlecker noch keinerlei Kommunikation gegeben", bestätigt Christian Hupertz, CEO der Schlecker-Agentur Grey Worldwide, gegenüber HORIZONT.NET. Zu den weiteren Plänen wollte sich Hupertz nicht äußern.

Ob die im Mai 2011 angelaufene TV-Kampagne mit dem Claim "For You. Vor Ort" in diesem Jahr fortgesetzt wird - und wenn ja wann - dürfte letztlich vom Inhalt des Insolvenzplans abhängen - und davon, ob die Gläubiger diesem zustimmen. Bis dahin könnte einige Zeit ins Land gehen. Nach Angaben des Schlecker-Sprechers haben die Gläubiger drei Monate Zeit, um dem Plan zuzustimmen - oder ihn abzulehnen. mas
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