Schlecker-Schock: Marke bleibt erhalten, fast jeder zweite Laden macht dicht

Mittwoch, 29. Februar 2012
Schlecker kündigt knapp 12.000 Mitarbeitern in den Läden, der Logistik und der Verwaltung
Schlecker kündigt knapp 12.000 Mitarbeitern in den Läden, der Logistik und der Verwaltung
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Geiwitz Schlecker Frankfurft Drogeriekette Anton Schlecker



Für die Mitarbeiter von
Schlecker dürfte diese Nachricht am heutigen Tag am unwichtigsten gewesen sein: Die Marke Schlecker soll erhalten bleiben. Auf einer Pressekonferenz in Frankfurft betonte der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, am Namen der Drogeriekette festhalten zu wollen. "Wir haben Alternativen geprüft und alle Vorschläge verworfen." In den vergangenen Wochen war mehrfach von Markenstrategen der Vorschlag gemacht worden, Schlecker nach der Pleite der Drogeriemarktkette umzubenennen. Geiwitz hat sich für einen anderen Weg entschieden.  Der Grund dafür ist einfach. Es sei wesentlich teurer, einen Bekanntheitsgrad von 98 Prozent aufzubauen als ein negatives Image positiv aufzuladen. Auch an der grundsätzlichen Positionierung als Nahversorger will Geiwitz festhalten, die Werbung mit dem Claim "For You, vor Ort" fortführen. "Wir betreiben nach der Sanierung immer noch mehr Filialen, als die Wettbewerber zusammen."

Fast jede zweite der insgesamt noch 5410 Schlecker-Filialen muss schließen
Fast jede zweite der insgesamt noch 5410 Schlecker-Filialen muss schließen
Zugleich hatte er bittere Nachrichten zu verkünden. Fast jede zweite der insgesamt noch 5410 Schlecker-Filialen muss schließen, knapp 12.000 Mitarbeiter in den Läden, der Logistik und der Verwaltung verlieren ihre Jobs. Fast zeitgleich mit der Öffentlichkeit bekamen die Angestellten die Nachricht überbracht.

Für Geiwitz sind diese Schritte unvermeidbar. "Es geht ums Überleben", sagte er. Allein im vergangenen Jahr habe Schlecker einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro erwirtschaftet. Seit sechs Jahren habe sich das Unternehmen bei Umsatz und Erträgen auf einer Abwärtsspirale befunden. Ganz nebenbei stellte der vorläufige Insolvenzverwalter damit dem Management um Firmengründer Anton Schlecker ein vernichtendes Zeugnis aus. "Viele Probleme sind zu spät angegangen worden." 

Mit einem neuen Konzept will Geiwitz die Situation jetzt drehen. Schlecker 2.0 heißt das Ziel, das die Zukunft der 13.500 Arbeitsplätze sichern soll. Dabei ist allerdings eines klar: "Der Dorfladen mit dem bisherigen Sortiment kann nicht die einzige Tragsäule des Konzerns sein." Über weiteren Kostenabbau hinaus will er ab Mai das Sortiment optimieren und es mehr an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden ausrichten. Neben starken Marken soll Schlecker vor allem auch mit starken Eigenmarken Kunden binden. Zudem will er preisaggressiv in den Markt gehen. "Schlecker wird wieder regelmäßig Aktionen fahren", kündigt der Wirtschaftsprüfer an. Hinzu kommen eine Modernisierung der rund 3000 Läden, die das Unternehmen weiter betreiben soll, und der Aufbau einer neuen Führungskultur. Doch die Zeit drängt, bis Anfang April soll Schlecker schuldenfrei sein. Nach der für Ende März geplanten Eröffnung des Insolvenzverfahrens darf das Unternehmen keine Verluste mehr schreiben.

Geiwitz machte keinen Hehl daraus, dass er zwar an eine Sanierung aus eigenen Kräften glaubt, ihm aber ein Koinvestor, der frisches Geld ins Unternehmen bringt, lieber wäre. Derzeit sucht eine internationale Investmentbank weltweit nach strategischen und finanziellen Investoren. Welche Rolle dann die Schleckerkinder Lars und Meike in der Unternehmensführung spielen werden, ist derzeit völlig offen. Das dürfte den Mitarbeitern allerdings auch egal sein. mir
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