Sanicare: Versandapotheke ist insolvent und stoppt TV-Werbung

Donnerstag, 27. September 2012
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Auf der Homepage deuten sich die Probleme nur an. "Bitte entschuldigen Sie! Aufgrund eines erhöhten Arbeitsaufkommens verzögert sich die Auslieferung der Pakete in dieser Woche um wenige Tage. Vielen Dank für ihr Verständnis." Dahinter steht nichts anderes als eine Pleite. Die Versandapotheke Sanicare ist überraschend insolvent.
Das meldet der Branchendienst "Apotheke adhoc." Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Ralph Bünning, Kanzlei Schultze & Braun, mitteilt, werde der Geschäftsbetrieb  aufrechterhalten. Bestellungen im Webshop sind damit nach wie vor möglich. Derzeit sucht er für die nach eigenen Angaben größte Versandapotheke einen Investor. Damit erwischt es nach Neckermann in dieser Woche erneut einen zweiten großen Onlinehändler. Anfang des Monats war Firmeninhaber Johannes Mönter gestorben. Danach hatte dessen Familie  einen Nachlassinsolvenzantrag gestellt. Damit müssen die Erben nicht für Schulden des verstorbenen Firmenchefs haften.

Sanicare, so ist in der Branche zu hören, habe zuletzt eine aggressive Preis- und Marktpolitik betrieben. Laut der Werbung konnten die Kunden über den Webshop Medikamente bis zu 70 Prozent günstiger erwerben (siehe TV-Spot oben). In der vergangenen Woche war Sanicare noch mit einem 10-Sekünder auf Sat.1 und Kabel 1 für ein Produkt von Ratiopharm. Spots der Marke liefen in diesem Monat aber auch auf Sendern wie N24 und Tele 5. Das ist jetzt vorbei. Mit der Insolvenz sind die TV-Kampagnen allerdings gestoppt, teilt Schultze & Braun auf Anfrage mit. ZZ#Wie hoch das Unternehmen aktuell in der Kreide steht, ist derzeit noch unklar. Von der Insolvenz ist neben der Online-Apotheke auch drei niedergelassene Sanicare-Apotheken in Bad Laer, Versmold und Bielefeld. Die übrigen Teile der Sanicare-Gruppe sind nicht Teil des Insolvenzverfahrens. Sie gehören der Ehefrau, Marlies Mönter. Insgesamt arbeiten für das Unternehmen 800 Mitarbeiter. 

Sanicare ist allerdings nicht das einzige Unternehmen, das mit Problemen zu kämpfen hat. Ebenfalls unter Druck steht Doc Morris. Der Türöffner für Medikamentenkauf im Internet gehört seit 2007 zum Pharmagroßhändler Celesio. Die Stuttgarter wollen ihre Tochter allerdings bis Ende des Jahres verkaufen. Für Apotheker, die wichtige Kundschaft der Stuttgarter, ist Doc Morris ein rotes Tuch. Hinzu kommen gesetzliche Rahmenbedingungen: Der Bundesrat hat erst kürzlich einem Gesetz zugestimmt, wonach ausländische Versandapotheken keine Rabatte und Boni mehr gewähren dürfen. Im Arzneiverordnungsreport (AVR), der heute veröffentlich wurde, hingegen wird kritisiert, dass Medikamente in Deutschland zu teuer sind. mir
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