Roboterautos: Wie Google die Autoindustrie revolutionieren will

Donnerstag, 27. September 2012
Google-Auto: Am Antennen-Design muss noch gearbeitet werden
Google-Auto: Am Antennen-Design muss noch gearbeitet werden

Während hierzulande noch über Carsharing, Hybrid- und Elektroautos diskutiert wird, hat in den USA die Zukunft der Autoindustrie begonnen. Google will spätestens in fünf Jahren selbstlenkende Fahrzeuge auf Kaliforniens Straßen schicken: Die nächste Bastion der Old Economy wird von einem Internetgiganten attackiert. Wer wissen will, wodurch sich innovative Unternehmen auszeichnen, wird bei Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra" fündig:  „Und wer ein Schöpfer sein muß im Guten und Bösen: wahrlich, der muß ein Vernichter erst sein und Werte zerbrechen", schreibt der Philosoph schon im vorletzten Jahrhundert. Die kurze Geschichte der „Big Four" des Internet - Amazon, Apple, Facebook und Google - liest sich wie eine perfekte Umsetzung des Nietzsche-Spruchs: Innovation als kreative Zerstörung; Apple hat mithilfe der Musikindustrie die Musikindustrie revolutioniert, Amazon destruiert den klassischen Buchhandel, um sich als größter Allround-Händler zu etablieren; Facebook zerstört die - zumindest in westeuropäischen Ländern - einstmals Privatsphäre zugunsten von Big Data. Und Google? Der Technologie-Gigant hat aus der Erde wieder eine Scheibe gemacht, wie der ehemalige US-Außenminister Colin Powell einmal befand.

HORIZONT-Report Automarkt: Drei Fragen an Dennis Petry, Unique 1

Herr Petry, welche Faktoren sind bei der Kommunikationsstrategie für Multicity besonders wichtig? Das Angebot sollte möglichst klar und einfach erklärt werden. Wichtig ist zudem absolute Preistransparenz. Es gilt, die Zugangsbarrieren für ein so neuartiges Angebot möglichst niedrig zu halten: Hohe Usability im Angebotsdesign und nutzerfreundliche Prozesse kombiniert mit zielgruppenadäquater Kommunikation und Medienwahl sind entscheidend.Ein relevanter Bereich ist auch die B-to-B-Kommunikation: Die Zielgruppe Geschäftskunden sollte nicht pauschal angesprochen werden, sondern möglichst individuell mit bedarfsgerechten Lösungen.

Unique 1 unterhält mit „Think Mobility" eine Unit, die sich speziell mit Mobilitätskonzepten beschäftigt. Warum sollte ein Autohersteller überhaupt einen derartigen Dienstleister einspannen? Mit unserem knapp zehnköpfigen Expertenteam „Think Mobility" bieten wir gezielte Unterstützung sowohl im Bereich der Konzept8entwicklung als auch ganz konkret bei der Vermarktung der jeweiligen Konzepte. Eine wichtige Aufgabe ist dabei, alle für ein Projekt relevanten Parteien ins Boot zu holen. Das beginnt bei den Autoherstellern, den Händlern und Anbietern komplementärer Mobilitätsdienste wie dem ÖPNV und geht über die Logistik- und IT-Partner bis hin zu Stromversorgern, die die Ladestationen für die Elektroautos zur Verfügung stellen, sowie letztlich auch den politischen Instanzen und Kommunen. Dies ist ein komplexer Prozess, bei dem es von Vorteil ist, als fachlich übergreifender, koordinierender Dienstleister aufzutreten.

Besteht bei so vielen Akteuren die Gefahr von Interessenskonflikten? Die Autohersteller wollen letztendlich Autos verkaufen, die Deutsche Bahn will genau dies verhindern. Natürlich gibt es verschiedene strategische Ziele, die die einzelnen Akteure verfolgen. Es überwiegt aber das gemeinsame Interesse, den Markt für Carsharing und umfassendere Mobilität überhaupt erst einmal zu etablieren, wofür eine Verzahnung der Kompetenzen zielführend ist. kj

In einem großen Report Automarketing beschäftigt sich HORIZONT in der aktuellen Ausgabe 39/2012 mit dem Status undd den Veränderungen innerhalb der Autoindustrie. Mehr Infos, Bestellmöglichkeit


Nun ist Google dabei, mit Hilfe der Pkw-Hersteller die Automobilindustrie, besser gesagt Mobilitätsindustrie,  zu revolutionieren. Einem „Handelsblatt"-Artikel zufolge will Google in fünf Jahren ein selbstfahrendes Auto auf Kaliforniens Straßen starten. Schon derzeit, schreibt Autor Axel Postinett, „huschen vereinzelt die Toyota Prius oder Lexus RX mit dem radarähnlichen Aufbau und dem großen Schriftzug durch das Silicon Valley". Möglich ist dies, weil Kalifornien - genauso wie Nevada und Florida -  nach einer Gesetzesänderung seit vorgestern den Einsatz von selbstfahrenden Autos erlaubt.

Google verfolgt eine ähnliche Strategie wie Apple seinerzeit mit der Einführung von iTunes. Statt selbst Musikproduzent zu werden, schloss Apple stattdessen Lizenzverträge mit den Plattenfirmen ab. Und auch Google will keine eigenen Autos bauen, sondern mit den Fahrzeugherstellern „kooperieren". Zwar bieten derzeit schon einige Premiumerhersteller wie BMW oder Mercedes Komponenten an, die den Fahrer entlasten, aber der Verzicht auf den Griff ans Lenkrad gehört nicht dazu. Und Sergey Brin brüstet sich damit, dass „niemand so weit ist wie wir", wie das „Handelsblatt" den Google-Mitbegründer zitiert.

In jedem Fall wittert Google ein Riesengeschäft - und damit könnte der Technogiegigant richtig liegen. Derzeit kommunizieren die Autohersteller, wenn es  um das Megathema Mobilität geht, vor allen Dingen Carsharing- und Sparsamkeits-Modelle. Doch, so schreibt Welt Online", „wird das Fahren ohne Fahrer wohl schneller Wirklichkeit als das Auto, das auch auf längeren Strecken ganz ohne fossile Brennstoffe auskommt".

Ob in wenigen Jahren schon alles, was technisch möglich ist, auch massentauglich und für Privatpersonen finanzierbar sein wird, darf bezweifelt werden. Derzeit kostet allein der Laser-Scanner auf dem Dach des Google-Testwagens 70.000 Dollar. Eine Summe, die Google nicht juckt. Was für den Internet-Konzern zählt, ist der Versuch, mittels Technologie, Geld, Knowhow und aggressivem Pioniergeist der Autoindustrie Terrain streitig zu machen.

Mit Google Search hat das Unternehmen aus Mountain View die Werbeindustrie wie unser Wissen von der Welt dramatisch verändert. Google+ konkurriert mit Facebook im Bereich Social Networks. Google TV und Youtube attackieren TV-Gerätehersteller wie TV-Sender. Und Google Car ist der Versuch, einen der klassischen und nach wie vor dominierenden Industriezweige aufzurollen. vs

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