Rewe will Turbogang einlegen

Donnerstag, 09. März 2000

Die Kölner Rewe-Handelsgruppe rüstet sich für den verschärften Wettbewerb in Deutschland und stockt ihr Investitionsbudget auf über 2 Milliarden Mark auf. "Wir gehen nicht mit einem ‚Roll-Back' ins neue Jahr, sondern haben in allen Geschäftsfeldern den Vorwärtsgang eingelegt, können im Zweifel noch den Turbo einschalten", kommentiert Rewe-Vorstandsvorsitzender Hans Reischl die Lage mit Blick auf die von Wal-Mart im vergangenen Jahr gestarteten Preisaktion "Roll Back". Trotz prognostiziertem Konjunkturaufschwung sieht Reischl die Situation für den deutschen Lebensmittelhandel nicht sehr optimistisch. Der Preisverfall im Lebensmittelhandel hält weiter an und hat Auswirkungen auf das Unternehmen. 1999 betrug der Verfall im Sortiment der Vollversorger bis zu vier Prozent. So hätten die Umsatzerlöse des Vorjahres kaum erreicht werden können, berichtet das Unternehmen. Reaktion seitens Rewe war die Umstellung auf ein neues Vertriebskonzept. Über 1800 Supermärkte unter den Namen HL, Stüssgen, Otto Mess, Minimal und Kafu arbeiten nun mit dem Dauerniedrigpreis-Konzept "Goldene Zeiten". Auch wenn der private Konsum möglicherweise anzieht, "wird der Lebensmittelhandel in naher Zukunft kaum Futter für spürbares Wachstum erhalten", sagt Reischl. Dennoch erzielte die Rewe-Gruppe mit über 67 Milliarden Mark im Geschäftsjahr 1999 einen Rekordumsatz. Und im laufenden Geschäftsjahr soll es mit einem Umsatz von über 70 Milliarden Mark noch besser werden. Auf dem deutschen Markt legte die Rewe-Gruppe um 3,8 Prozent zu und steigerte den Umsatz auf 55,1 Milliarden Mark, wovon 47,8 Milliarden Mark im Einzelhandel umgesetzt wurden. Durch den Erwerb der Bahntochter Deutsche Reisebüro hat die Rewe-Gruppe im Touristikbereich zugelegt. Der Umsatz von Atlas Reisebüros sowie DER-Agenturen und DERpart-Partner wuchs auf über sieben Milliarden Mark an. Durch weitere Käufe oder Kooperationen will Rewe die Touristikbranche auch im laufenden Jahr ausbauen. Im Ausland hat das Unternehmen hat insbesondere die osteuropäischen Märkte im Fokus. Im Geschäftsjahr 1999 erzielte der Groß- und Einzelhandel von Rewe 12,1 Milliarden Mark im europäischen Ausland, 1,5 Milliarden Mark mehr als im Vorjahr. Damit stieg der Anteil am Gesamtumsatz des Einzelhandels auf beinahe 20 Prozent. Besonders im osteuropäischen Markt will die Rewe-Gruppe mehr Terrain gewinnen. Ziel ist ein Platz im Spitzentrio des jeweiligen Landes. In Tschechien (Umsatz 900 Millionen Mark) und Ungarn (Umsatz 690 Millionen Mark) ist das Unternehmen nach eigenen Angaben schon nahe dran, die gesteckten Ziele zu erreichen. In Polen ist Rewe mit einem Umsatz von über 800 Millionen Mark unter den Top 5.
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