Puma kommt wegen schlechtem Europa-Geschäft aus dem Tritt

Mittwoch, 18. Juli 2012
Puma-CEO Franz Koch muss ernüchternde Zahlen präsentieren
Puma-CEO Franz Koch muss ernüchternde Zahlen präsentieren

Nach einem Rekordumsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr sollten bei Puma im Supersportjahr 2012 die Kassen eigentlich noch lauter klingeln. Doch neun Tage vor dem Beginn der Olympischen Spiele muss Puma-CEO Franz Koch überraschend seine Prognosen deutlich nach unten korrigieren. Trotz eines Umsatzplus von 8,8 Prozent sind das operative Ergebnis (Ebit) und der Konzerngewinn im ersten Halbjahr 2012 um 11 beziehungsweise 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Puma begründet die ernüchternden Zahlen mit einem schlechten Europa-Geschäft. Das Management um Koch habe daher beschlossen, die Kosten weiter zu senken und Prozesse zu straffen. Was das konkret heißt, will Puma erst mit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am 26. Juli erläutern. Auf jeden Fall werde der Umbau Einmalaufwendungen von bis zu 100 Millionen Euro führen, die im zweiten Halbjahr verbucht werden. Der Konzerngewinn werde dadurch "deutlich unter dem Vorjahreswert von 230,1 Millionen Euro liegen". Bezüglich des Umsatzes rechnet Puma für das laufende Jahr nun nicht mehr mit einem Umsatzwachstum im oberen, sondern nur noch im mittleren einstelligen Bereich.

Zu den Auswirkungen auf die Investitionen in Marketing, Design und Produktentwicklung äußern sich die Herzogenauracher auf Nachfrage von HORIZONT.NET noch nicht. Noch im Februar kündigte Puma an, hier kräftig investieren zu wollen - insbesondere in die Produktentwicklung, wofür das Unternehmen bereits Innovationsteams für die Segmente Schuhe und Textilien gegründet hatte. Auch werblich zeigte Puma bereits verstärkt Präsenz. Nach vier Jahren Abstinenz wagte Puma Ende Mai wieder den Weg in die TV-Werbeblöcke. Im Mittelpunkt der von Stammbetreuer Droga5 kreierten Kampagne stand der Evo Speed, mit dem Puma erstmals in seiner 64-jährigen Geschichte eine sportartenübergreifende Schuh-Kollektion lancierte. Laut Nielsen Media Research investierte Puma in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 1,2 Millionen brutto in Werbung.

Ohnehin befindet sich Puma mitten in einer Neuausrichtung, die Koch nun beschleunigen und ausweiten will. Es gilt, Puma als Sportmarke wieder glaubhafter zu machen. Sein Vorgänger Jochen Zeitz hatte sich zuletzt vor allem auf modische Produkte konzentriert. Künftig soll der Fokus stärker auf dem Bereich Sport liegen. Neben Segeln (Volvo Ocean Race, America's Cup), Motorsport (Kooperation mit Ferrari, Mercedes und BMW) und Golf investiert Puma vor allem in den Fußball. Bei der Europameisterschaft war der Ausrüster mit der italienischen Nationalmannschaft im Finale präsent. In der kommenden Bundesliga läuft der deutsche Meister Borussia Dortmund erstmals mit Trikots mit Puma-Logo auf. Eine Investition, in die Puma große Hoffnungen legt. jm
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