Preissturz: Klarmobil antwortet auf Yourfone und startet Werbeoffensive

Montag, 21. Mai 2012
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Als der ehemalige Klarmobil-Chef Hartmut Herrmann Mitte April den Mobilfunk-Discounter Yourfone
aus der Taufe hob war bereits klar, dass die Reaktion der Wettbewerber nicht lange auf sich warten lassen würde. Gerade einmal 19,90 Euro verlangt Yourfone seither für seine Surf- und Handy-Flatrate in alle Netze - die Angebote der etablierten Discounter wie 1&1 (29,90 Euro) oder eben Klarmobil (39,90 Euro) wirken dagegen lausig teuer. Klarmobil kontert den Frontalangriff des Ex-Chefs jetzt mit einem Umbau seines Tarifsystems - und kommuniziert das mit einer massiven Kampagne, die ausgerechnet die neue Yourfone-Agentur Sassenbach Advertising entwickelt. Wie der frischgebackene Klarmobil-Chef Antonius Fromme exklusiv gegenüber HORIZONT.NET ankündigt, lässt sich die Freenet-Tochter die Werbeoffensive allein in den kommenden zweieinhalb Wochen einen mittleren einstelligen Millionenbetrag kosten. HORIZONT.NET zeigt die Spots vorab. Der neue Pauschaltarif von Klarmobil zeigt, dass die Preise im Mobilfunkmarkt derzeit purzeln wie nie zuvor. Was bislang noch "Flat Komplett 3G" hieß und 39,95 Euro kostete, wird ab sofort unter dem Namen "Allnet-Spar-Flat" verkauft - und zwar für rund die Hälfte, nämlich 19,85 Euro. Damit unterbietet Klarmobil das Angebot des neuen Wettbewerbers Yourfone um sage und schreibe 5 Cent.

Klarmobil-Chef Fromme räumt ein, dass das Thema Preisführerschaft zum Start des neuen Tarifsystems durchaus eine gewisse Rolle gespielt hat. Allerdings sei der Preis auf lange Sicht nicht das zentrale Differenzierungsmerkmal: "Bei uns steht die Netzqualität im Vordergrund", sagt Fromme, der Klarmobil in diesem Punkt deutlich vor der E-Plus-Tochter Yourfone sieht. Grund ist die Partnerschaft mit dem Münchner Mobilfunker O2. "Diverse Tests haben bestätigt, dass das O2-Netz vor allem beim mobilen Surfen deutlich besser abschneidet", so Fromme.

Auch wenn es die Preissenkung ohne den Yourfone-Vorstoß wohl kaum gegeben hätte, versucht Fromme, den mit rund 2,5 Millionen Kunden zweitgrößten deutschen Mobilfunk-Discounter als Treiber und nicht als Getriebenen darzustellen: "Wir machen kein Me-Too-Produkt, sondern bleiben ein Vollsortimenter", so Fromme. Damit unterscheide sich das Unternehmen ganz klar von der 1-Tarif-Marke Yourfone.

Diese Entwicklung hin zum Komplettanbieter hat allerdings auch seine Schattenseiten. So ist die Zahl der Klarmobil-Tarife seit der Gründung im Jahr 2005 von einem einzigen auf heute 14 angestiegen. Rechnet man die verschiedenen Optionen hinzu, dann waren zuletzt rund 100 Tarifvarianten buchbar. Diesen Angebotsdschungel will Fromme jetzt beseitigen. In Zukunft gibt es nur noch die drei Säulen Voice, Daten und Smartphone mit jeweils einem Fokustarif. Fromme will damit zu den Wurzeln der Marke Klarmobil zurückkehren, die laut Claim "ehrlich" und "günstig", aber eben auch "einfach" sein will. Das spiegelt sich auch im vereinfachten Logo sowie der vom Online-Dienstleister Butterfisch überarbeiteten Website wieder, die nun deutlich aufgeräumter wirkt.

Im Mittelpunkt der neuen TV- und Onlinekampagne mit dem altbekannten Testimonial Trenki steht allerdings zunächst die preisagressive Allnet-Spar-Flat, die laut Fromme Dank erfolgreicher Verhandlungen mit O2 sogar Gewinn abwerfen wird. Ein weiterer Schwerpunkt in der Vermarktung liegt wie bisher auf dem 9-Cent-Tarif. Die für Planung und Einkauf zuständige Agentur Basismedia wird die Spots auf Sendern wie Pro Sieben, RTL 2, Sky, N24 und ComedyCentral schalten.

Dass die TV-Commercials weiterhin von Sassenbach Advertising entwickelt werden, ist überraschend. Grund sind die Geschäftsbeziehungen der Agentur zum neuen Wettbewerber Yourfone. Gründer und Ex-Klarmobil-Chef Herrmann war von dem langjährigen Stammbetreuer offenbar so überzeugt, dass er die Münchner auch die Kampagnen seiner neuen Marke entwickeln lässt. Fromme hat damit allerdings kein Problem: Nach Angaben des Klarmobil-Chefs hat die Agentur "vertraglich und persönlich" zugesichert, dass keinerlei Informationen weitergegeben werden. Zudem würden Klarmobil und Yourfone von getrennten Teams betreut. mas 
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