Posse um Joghurt-Werbung: Wie Bauer die Verbraucherschützer ausbremst

Freitag, 27. April 2012
Das umstrittene Werbemotiv wird in großen Magazinen geschaltet
Das umstrittene Werbemotiv wird in großen Magazinen geschaltet

Die Molkerei Bauer ist ins Visier von Verbraucherschützern und Bioproduzenten geraten. Grund ist der Slogan der aktuellen Werbekampagne für den Bauer Kirschjoghurt. "Der erste gentechnikfreie Fruchtjoghurt Deutschlands" steht auf dem von der Düsseldorfer Agentur Butter entwickelten Anzeigenmotiv, das derzeit in auflagenstarken Magazinen wie "Focus", "Bunte" und "Freundin" geschaltet wird. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft und die Verbraucherzentralen finden diese Werbeaussage nicht korrekt und haben den Konzern dazu aufgefordert, die Kampagne zu ändern - doch die Druckmittel sind begrenzt. "Bio-Produkte sind schon immer gentechnikfrei. Daher ist die Aussage der Molkerei Bauer so nicht richtig und für die Verbraucher verwirrend", erklärt Peter Röhrig, stellvertretender Geschäftsführer beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gegenüber HORIZONT.NET. Auch Anne-Katrin Wiesemann, Referentin für Lebensmittelrecht beim Verbraucherzentrale Bundesverband, sieht die Werbeaussage kritisch: "Konsumenten, die Produkte mit dem Bio-Siegel kaufen, sind zurecht irritiert", sagt Wiesemann gegenüber HORIZONT.NET. Laut Röhrig hat der BÖLW bereits Gespräche mit Bauer aufgenommen. "Wir sind optimistisch, dass die Werbeaussage im Einvernehmen geändert wird", so Röhrig weiter.

Auf der Bauer-Website wurde der Slogan nun minimal abgeändert
Auf der Bauer-Website wurde der Slogan nun minimal abgeändert
Bei der Privatmolkerei Bauer zeigt man sich kompromissbereit - aber nur auf den ersten Blick. Ein Sprecher räumt zwar gegenüber HORIZONT.NET ein, dass der Begriff „gentechnikfrei" offenbar tatsächlich "nicht ganz korrekt" sei. Die Konsequenz, die Bauer daraus zieht, dürfte dem BÖLW und den Verbraucherschützern aber gar nicht schmecken. Denn der Werbeslogan wird nur minimal verändert. So soll der Spruch "Der erste gentechnikfreie Fruchtjoghurt Deutschlands" einfach durch "Der erste Fruchtjoghurt Deutschlands ohne Gentechnik" ersetzt werden. Diese Änderung sei bereits veranlasst worden, versichert die Molkerei.

Was man für reine Wortklauberei halten könnte, ist in Wahrheit ein kluger Schachzug. Denn Unternehmen, die ihre Produkte mit dem 2009 von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner vorgestellten „Ohne Gentechnik"-Label kennzeichnen wollen, dürfen laut Gesetz in der Werbung offenbar tatsächlich auch nur diese Formulierung verwenden. "Rein formaljuristisch betrachtet ist diese Aussage daher korrekt", konstatiert auch Verbraucherschützerin Wiesemann.

Bauer sieht sich auch wegen der unterschiedlichen Nachweispflichten für das Bio-Siegel und das "Ohne Gentechnik"-Label im Recht. Für letzteres sind die Anforderungen etwas strenger. So muss nicht nur das Endprodukt, sondern die gesamte Produktionskette Gentechnik-frei sein. Dem Molkerei-Konzern seien derzeit keine weiteren konventionellen Fruchtjoghurts bekannt, die die gesetzlichen Bedingungen einer „ohne Gentechnik"-Kennzeichnung erfüllen, teilt der Bauer-Unternehmenssprecher mit. "Daher sind weitere Änderungen an der Anzeigenkampagne nicht geplant."

Das Anliegen der Verbraucherschützer, die Werbung für den Konsumenten verständlicher zu machen, ist damit freilich zunächst gescheitert. "Uns bleibt nichts übrig, als zu informieren und aufzuklären", so Wiesemann. Eine Abmahnung von Bauer sei nicht geplant. mas
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