Politik treibt Tabakfirmen zur Werbung in Formel 1

Mittwoch, 04. August 1999

Politischer Druck macht es möglich: Im Formel-1-Rennen zum Großen Preis von Deutschland am vergangenen Wochenende durften die Formel-1-Boliden mit unverfälschter Zigarettenwerbung auf den Karosserien ins Rennen gehen. Grund: Der Verband der Cigarettenindustrie (VDC) beugte sich „deutlich formulierten Bitten aus der Politik". In seltener Eintracht hatten Bundeskanzleramt und Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel dafür plädiert, das Rennen für die Sponsoren zu öffnen - ansonsten drohe dem Rennstandort Hockenheim das Aus durch die Rennsportorgansation FIA. Damit entstünde, so die Argumentation der großen Koalition in Sachen Werbefreiheit, der strukturschwachen Region ein Einnahmeverlust in zweistelliger Millionenhöhe. Außerdem sei eine Weigerung Hunderttausenden von Fans nicht vermittelbar. Der VDC wollte die seit Jahren geltende freiwillige Selbstbeschränkung in Sachen Tabakwerbung auf Formel-1-Fahrzeuge hingegen nicht aufgeben - der Verband befürchtete ein unnötiges Anheizen der Diskussion. Ähnlich wie vor drei Jahren, als in einer ähnlichen Diskussion Kanzler Kohl persönlich für eine Ausnahmeregelung am Nürburgring eintrat, stimmte der VDC aufgrund des politischen Drucks auch diesmal schließlich einer auf ein Jahr beschränkten Ausnahme von der freiwilligen Selbstbeschränkung zu. Ausführliche Berichterstattung in der morgigen HORIZONT-Ausgabe 31/99.
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