Plagiatsdebatte um Ergo, Eon und Co: Das sagen die Experten

Freitag, 04. November 2011
Der Held aus dem Ergo-Spot (links) war offenbar Vorbild für andere Werbungtreibende
Der Held aus dem Ergo-Spot (links) war offenbar Vorbild für andere Werbungtreibende

Die deutsche Werbebranche ist um eine Plagiatsdebatte reicher. Den Stein ins Rollen gebracht haben diesmal der Energieriese Eon und sein Agenturpartner Serviceplan. Die gestern auf HORIZONT.NET vorgestellte neue Markenkampagne des Unternehmens hat wegen der allzu offenkundigen Nachahmung der seit Mitte 2010 laufenden Ergo-Spots eine Welle der Empörung ausgelöst - und zwar nicht nur bei der Ergo-Agentur, sondern auch bei vielen Lesern von HORIZONT.NET sowie bei Facebook-Nutzern und Experten. Udo Klein-Bölting, CEO von Batten & Company, spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer "ernsthaften Werbe-Krise".

Original und Kopie? Die Spots von Eon und Ergo

 
 


Besonders groß ist die Aufregung freilich bei Ergo-Betreuer Aimaq von Lobenstein. Aus Sicht der Berliner Agentur haben sich aber nicht nur Eon und Serviceplan von der Ergo-Kampagne inspirieren lassen. Kreativchef André Aimaq sieht auch bei den aktuellen Spots von Commerzbank und Targobank ein Maß an Übereinstimmung, das kein Zufall sein kann. "Jede Kopie ist eine Bestätigung für das Original. Insofern danken wir nach Scholz & Friends und der Commerzbank nun auch Serviceplan und Eon sowie Grabarz & Partner und der Targobank", lässt Aimaq wissen.

 

Kopie oder Trend? Die Spots von Commerzbank und Targobank

 
 
 


Bei der Eon-Agentur weist man die Vorwürfe mit Nachdruck zurück. "Ergo hat keine Monopolstellung auf die Darstellung beziehungsweise das Stilmittel eines Dialogformates zwischen Kunde und Unternehmen", teilt Serviceplan gegenüber HORIZONT.NET mit. Der Eon-Spot spiegele nichts anderes als einen allgemeinen Trend wieder, der in der heutigen Zeit sehr gefragt sei: den Dialog. "Natürlich haben wir unseren Spot auch in der Marktforschung getestet – und er ist bei den Verbrauchern und der Zielgruppe außerordentlich gut angekommen", teilt Serviceplan mit. Auch Ergo habe die Form der direkten Einbindung von Kunden, die einen Dialog mit dem Unternehmen starten, nicht erfunden, findet die Agentur - und spielt damit wohl auf die Plagiatsvorwürfe an, denen auch Ergo 2010 ausgesetzt war. Die Gefahr, nun selbst mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert zu werden, sieht Serviceplan daher nicht.

André Aimaq: Jede Kopie ist eine Bestätigung für das Original. Insofern danken wir nach Scholz & Friends und der Commerzbank nun auch Serviceplan und Eon sowie Grabarz & Partner und der Targobank. “


Übt harsche Kritik: Udo Klein-Bölting
Übt harsche Kritik: Udo Klein-Bölting
Eine Argumentation, die Udo Klein-Bölting, CEO von Batten & Company (ehemals BBDO Consulting), so nicht gelten lassen will. "Wenn man sich so umschaut, haben wir wohl nicht nur eine ausgesprochene Euro-Krise, sondern auch eine ernsthafte Werbe-Krise", sagt der Kommunikationsexperte. Aus seiner Sicht ist die Werbung von Ergo, Eon, Targo Bank und Commerzbank völlig austauschbar. "Wie sollen die Konsumenten das überhaupt auseinander halten?", fragt Klein-Bölting, der es "erschreckend" findet, "wie wenig den Verantwortlichen einfällt".

Heiko Dertlinger von Brandoffice: Wirtschaftskrise erfordert Dialog
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Etwas mehr Verständnis für Eon und Serviceplan hat Heiko Dertlinger, Geschäftsführer Kreation bei der Münchner Markenberatung Brandoffice. Zwar räumt auch Dertlinger ein, dass Mechanismus und Machart der Eon- und Ergo-Kampagnen beinahe identisch sind. "Ich glaube aber nicht, dass hier bewusst oder gar vorsätzlich kopiert wurde", erklärt der Markenexperte, der die Ursachen eher in den wahrscheinlich ähnlichen Marktforschungsergebnissen sieht. Als Begründung führt er die gleichen Argumente an wie Serviceplan. "Die persönliche Ansprache der Verbraucher ist wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise viel wichtiger geworden", so Dertlinger. Die Schaffung von Vertrauen über einen direkten Dialog habe angesichts der großen Unsicherheiten derzeit oberste Priorität. Aus Sicht von Dertlinger sind davon neben den Finanzdienstleistern gerade auch Energiekonzerne betroffen. Grund sei unter anderem der Atomausstieg. "Nur eine Minderheit der Deutschen traut den Konzernen die Energiewende zu. mas
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