Persönlichkeitsrechte: Boris Becker erzielt Teilerfolg gegen „FAS“

Freitag, 30. Oktober 2009
Boris Becker will Geld von der "FAS"
Boris Becker will Geld von der "FAS"

Der ehemalige Tennisprofi Boris Becker konnte vorm Bundesgerichtshof mit einer Klage gegen die Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nur einen Teilerfolg erringen. Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat mit seiner gestrigen Entscheidung die vorherigen Urteile pro Becker ein Stück weit revidiert. Er entschied, dass „die Werbung mit der Abbildung einer prominenten Person auf dem Titelblatt einer Zeitung ausnahmsweise auch ohne eine diese Abbildung rechtfertigende Berichterstattung zulässig sein kann, wenn sie dem Zweck dient, die Öffentlichkeit über die Gestaltung und Ausrichtung einer neuen Zeitung zu informieren". Kurzum: Die "FAS" durfte mit einer fiktiven Titelseite, auf der auch Becker zu sehen war, für die Einführung der Sonntagszeitung werben - zumindest bis zu ihrem regelmäßigen erscheinen.  

Stein des Anstoßes war die Werbekampagne zur Einführung der „FAS", die von September 2001 bis März 2002 lief. Das Werbemotiv zeigte ein Testexemplar der Zeitung, auf dem Titel prangte unter anderem ein Bild von Becker. Die Schlagzeile darunter: „Der strauchelnde Liebling - Boris Beckers mühsame Versuche, nicht aus der Erfolgsspur geworfen zu werden Seite 17." Das Original des abgebildeten Testexemplars bestand lediglich aus einer ausgearbeiteten Titel- und Rückseite sowie dem neuen Layout - den für Seite 17 angekündigten Bericht gab es nicht.

Becker störte sich daran, dass sein Bild ohne seine Einwilligung zu Werbezwecken gebraucht wurde. Für die Verletzung des Rechts am eigenen Bild forderte er eine fiktive Lizenzgebühr von knapp 2,4 Millionen Euro. Das Landgericht München hatte die Zeitung zu einer Zahlung von 1,2 Millionen Euro verurteilt, auch das Berufungsgericht hat Beckers Anspruch grundsätzlich für gerechtfertigt erklärt. Der Bundesgerichtshof sieht es grundsätzlich auch so - aber mit einer entscheidenden Einschränkung.

So hätten die Macher der „FAS" zur Einführung keine andere Wahl gehabt, als mit einer unvollständigen Testausgabe zu werben - eine andere gab es bis dato ja nicht. Das Informationsinteresse der Öffentlichkeit habe in dem Fall über dem Interesse des Klägers gestanden. Allerdings sprach der Bundesgerichtshof der „FAS" dieses Recht nur solange zu, wie keine reale Ausgabe vorlag. So muss sich die Zeitung nun dafür verantworten, für einen beträchtlich längeren Zeitraum mit der Becker-Titelseite geworben zu haben. Das Berufungsgericht wird nun über die Höhe der zustehenden fiktiven Lizenzgebühr entscheiden. mh
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