Patent-Streit: Nike muss Schlappe gegen Adidas einstecken / Rechtsstreit geht weiter

Donnerstag, 08. November 2012
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Die einstweilige Verfügung ist vom Tisch: Adidas darf seinen Schuh "Adizero Primeknit" ab sofort wieder in den Handel bringen. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte gestern das vorläufige Verkaufsverbot aufgehoben. Nike habe laut den Richtern keine Patentverletzung glaubhaft machen können. Doch der Patentstreit ist noch lange nicht vorbei. Nike hatte Ende August vor dem Gericht das Verkaufsverbot erwirkt. Das Grund des Streits: Adidas nutze für die Produktion seines zu Olympia vorgestellten Schuhmodells "Adizero Primeknit" ein Verfahren, das Nike bereits 2002 mit einem EU-Patent schützen ließ. Hierbei wird das Obermaterial nicht mehr wie zuvor zusammengeklebt, sondern aus einem einzigen Stück hergestellt. Nike selbst hatte im Frühjahr die "Flyknit Footwear Technologie" vorgestellt, die ebenfalls auf diesem Produktionsverfahren basiert.

Adidas, die nach eigenen Angaben vor dem Erlass der einstweiligen Verfügung keine Gelegenheit hatten, ihre Sichtweise zu erläutern, hielten anschließend in der mündlichen Verhandlung dagegen, dass ein derartiges Verschmelzen von Fasern bereits seit 1940 bekannt und daher nicht schützenswert sei. Wie Adidas gegenüber HORIZONT.NET bestätigt, will man ihrerseits eine Nichtigkeitsklage gegen das Nike-Patent erheben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nike gibt sich ebenfalls noch nicht geschlagen, so Unternehmenssprecher Olaf Markhoff gegenüber HORIZONT.NET: "Dies ist nur eine Entscheidung in einem längeren Prozess. Wir werden unsere Rechte am geistigen Eigentum weiterhin mit allem hierfür nötigen Nachdruck durchsetzen und verteidigen, einschließlich einer möglichen Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth im einstweiligen Verfügungsverfahren und eines möglichen Hauptsacheverfahrens."

Reebok überschattet Gewinnprognose von Adidas

Unterdessen hat der fränkische Konzern heute seine Bilanz für die ersten drei Quartale 2012 vorgestellt. Trotz eines hohen Umsatz- und Gewinnplus wird das Ergebnis von der Performance der schwächelnden Tochter Reebok überschattet, deren Umsatz währungsbereinigt um 25 Prozent einbrach. Weil der Sportartikler niedrigere Umsatzerlöse bei Reebok erwartet als ursprünglich gedacht, muss Adidas-CEO Herbert Hainer die Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2012 anpassen. Statt wie zuvor von rund 10 Prozent, geht das Unternehmen nun von einem "hohen einstelligen Bereich" aus.

In den ersten neun Monaten wuchs der Konzernumsatz um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau (währungsbereinigt um 8 Prozent) und lag damit bei 11,51 Milliarden Euro. Noch deutlicher zulegen konnte der Nettogewinn, der um 22 Prozent auf 798 Millionen Euro klettert. "Unsere Neunmonatsergebnisse zeigen deutlich, dass Route 2015 ein leistungsfähiger und solider Geschäftsplan ist", so Hainer. Für 2013 kündigt er "eine Vielzahl von Produktinnovationen und neuen Markenauftritten" an, die "für Furore im Markt sorgen werden". jm
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