Panne mit Stiftungssiegel: Gothaer stoppt Werbekampagne und muss rechtliche Schritte fürchten

Montag, 13. Februar 2012
Die personifizierten Sorgen treiben nun der Gothaer selbst Sorgenfalten ins Gesicht
Die personifizierten Sorgen treiben nun der Gothaer selbst Sorgenfalten ins Gesicht

Vor einer Woche ging der neue TV-Spot von Gothaer mit den personifizierten Sorgen erstmals auf Sendung. Bereits nach wenigen Tagen zieht der Kölner Versicherungsriese jetzt die Reissleine. Wie eine Sprecherin bestätigt, wird die Kampagne vorerst ausgesetzt. Grund sind Probleme mit der Stiftung Warentest. Deren Chef, Hubertus Primus, bezeichnet die Kampagne gegenüber HORIZONT.NET als unzulässig.
Wie bereits einem aufmerksamen HORIZONT.NET-Leser aufgefallen war (siehe Kommentar von Ron Keller), schmückt sich die Gothaer in dem 25-Sekünder fälschlicherweise mit dem Siegel der Stiftung Warentest. Diese hatte zwar tatsächlich ein Angebot der Gothaer mit "sehr gut" benotet, allerdings handelte es sich dabei um den "Top"-Tarif des Kölner Konzerns - und nicht um den "Plus"-Tarif, der in dem TV-Spot beworben wird.

Laut der Sprecherin kam es zu dem Fehler, weil Gothaer und seine frischgebackene Hamburger Leadagentur Brawand Rieken die Botschaft für die TV-Zuschauer einfach und verständlich halten wollten. So sei der "Plus"-Tarif im Grunde identisch mit dem "Top"-Tarif, biete aber eine Reihe von zusätzlichen Leistungen an. "Die korrekte Bezeichnung hätte Top-Tarif mit Plus-Baustein lauten müssen, das schien uns aber für eine Werbekampagne nicht griffig genug", erläutert die Sprecherin gegenüber HORIZONT.NET.

Hubertus Primus: "Reichlich dünne Erklärung"
Hubertus Primus: "Reichlich dünne Erklärung"
Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest, hält das für eine "reichlich dünne Erklärung". "Der Plus-Tarif, den Gothaer gerade mit Verweis auf unser Testurteil bewirbt, ist ein ganz anderer als der Tarif, den wir 2010 getestet haben", erklärt Primus gegenüber HORIZONT.NET. Aus Sicht von Primus hat die Gothaer damit klar gegen die Regeln der Stiftung verstoßen. Diese schreiben eindeutig vor, dass ein Unternehmen mit dem Siegel nur für solche Produkte werben darf, die tatsächlich getestet wurden.

Ausnahmen von dieser Regel gibt es auch dann nicht, wenn ein Produkt weiterentwickelt wird: "Das wäre in etwa so, als würde ein Hersteller von Digitalkameras eine neue Generation einer Kamera auf den Markt bringen und diese mit dem alten Testurteil bewerben", so Primus weiter. Im Falle von Gothaer könne man jedenfalls nicht automatisch davon ausgehen, dass der Plus-Tarif genauso gut abschneide wie der Top-Tarif. "Auch die zusätzlichen Leistungen und die Kosten dafür müssten von uns erst einmal getestet werden", erläutert Primus, der im Fall Gothaer daher auch ganz klar von "unzulässiger Werbung mit Testergebnissen" spricht und nun den Justiziar der Stiftung einschalten will. Dieser könnte die Gothaer vom Verbraucherzentrale Bundesverband abmahnen lassen mit dem Ziel, eine Unterlassungserklärung seitens der Gothaer zu erwirken.

Dass es zu einer juristischen Auseinandersetzung kommt, ist aber unwahrscheinlich. Laut der Gothaer-Sprecherin wird die Werbekampagne bereits von Brawand Rieken überarbeitet. "Der strittige Passus wird geändert", so die Sprecherin. Spätestens kommende Woche soll die TV-Kamagne wieder anlaufen. mas
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