Olympia-Bewerbung: Leipzigs Traum beendet

Dienstag, 18. Mai 2004
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Das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verweigerte Leipzig heute in Lausanne die Anerkennung als Kandidatenstadt für die in acht Jahren stattfindenden olympischen Sommerspiele. Zur Wahl durch die IOC-Vollversammlung am 6. Juli 2005 in Singapur ist London, Madrid, Moskau, New York und Paris zugelassen. Neben der deutschen Bewerbung scheiterten Havanna, Istanbul und Rio de Janeiro.

Die zwei entscheidenden Kriterien der IOC-Exekutive waren Infrastruktur und Beherbergung. In beiden Kategorien schnitt Leipzig schlechter als Moskau ab. Zusätzlich wurden Motivation, Konzept, öffentliche Meinung, politische Unterstützung, Veranstaltungsorte und allgemeine Bedingungen, wie Klima, Erfahrung, Sicherheit bewertet. Hierin lag Leipzig mindestens gleichauf, wenn nicht sogar besser, konnte aber die Schwächen bei den Hauptkriterien nicht ausgleichen. Die IOC-Mitglieder wählten durch ein rein technisches Bewertungssystem jene Bewerber mit den besten Vorraussetzungen aus. In das Computerprogramm Olympic Logic wurden jene Daten eingegeben, die die neun Bewerberstädte in 25 Fragen zu sieben Themenkomplexen im Vorfeld zu beantworten hatten.

"Das Exekutivkomitee hat erkannt, dass Leipzig in dieser Phase nicht in der Lage ist, exzellente Spiele durchzuführen. Das Potenzial ist da, aber für 2012 ist es offenbar nicht genug," begründete IOC-Präsident Jacques Rogge die Entscheidung. In ersten deutschen Stellungnahmen standen der Stolz auf die Bewerbung, Gratulationen für die Konkurrenten sowie das Bedauern und Enttäuschung im Vordergrund. Bundesinnenminister Otto Schily: "Fair Play im Sport gebietet, die Entscheidung des IOC zu respektieren. Den Kandidaten für die Olympiabewerbung 2012 gratuliere ich zu ihrem Erfolg." Schily weiter: "Es ist enttäuschend, dass nur die Megastädte zum Zuge kamen." Mit Leipzigs frühen Scheitern erfahren die deutschen Olympia-Ambitionen innerhalb der letzten elf Jahre das zweite Debakel, nachdem 1993 Berlin bei der Bewerbung für Olympia 2000 weit abgeschlagen hinter Sydney, Peking und Manchester gelandet war. Eine realistische Chance für eine erneute Bewerbung Deutschlands besteht erst 2024, da die Spiele 2016 vorrausichtlich in ein Land in Nordamerika gegeben werden und 2020 in Afrika, Asien oder Lateinamerika stattfinden dürften.

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Klaus Steinbach kündigte eine Grundsatzentscheidung über eine erneute Bewerbung frühestens im November 2005 an. Bei positivem Votum steht die Bewerberliste allen interessierten Städten offen. National hatte sich Leipzig am 12. April 2003 gegen die Bewerber Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und Stuttgart durchgesetzt. hor
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