Obama gegen Romney: Wie Marken im Wahlkampf für sich werben

Freitag, 02. November 2012
In den USA ist die Präsidentschaftswahl auch ein großes Werbethema
In den USA ist die Präsidentschaftswahl auch ein großes Werbethema

Greift man lieber zum blauen oder zum roten Pappbecher, cremt man sich mit "Bama" oder "Romney" ein und möchte man beim Biss in den Cookie lieber dem Präsidenten oder seinem Gegenkandidaten den Kopf abbeißen? Diese Frage müssen sich amerikanische Bürger beim Einkauf zurzeit immer wieder stellen. Amerika steht kurz vor der alles entscheidenden Präsidentschaftswahl, und viele Unternehmen sind im Kampf um Käufer mit in die Wahlschlacht gezogen. Sie nutzen das politische Duell für ihr eigenes Marketing.
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Während es für den amtierenden demokratischen Präsidenten Barack Obama und seinen republikanischen Gegenkandidat Mitt Romney um Sieg oder Niederlage geht, ist die Wahl für die Unternehmen in jedem Fall ein Werbesieg. Das amerikanische Volk ist in diesem Jahr so polarisiert wie selten in der Geschichte des Landes. Damit ist auch jeder Marketingidee rund um den Wahlkampf eine hohe Aufmerksamkeit sicher.

Die Produktpalette liberaler und konservativer Ausführung ist breit. Neben Kaffee und Kuchen, Cremes und Pizza können Wähler ihre politische Einstellung auch auf Dating-Plattformen kund tun. Eine Fluglinie will vom Ergebnis der Wahl enttäuschte Bürger kostenlos aus dem Land fliegen. Selbst die Zeichentrickserie "Simpsons" greift in den aktuellen Wahlkampf ein. Doch die Flut von Ambush-Marketing ist nicht nur taktisches Werbekalkül. Manchen der Projekten gelingt es auch, das Wahlergebnis erstaunlich präzise vorherzusagen. HORIZONT.NET war den einzelnen Wahlkampf-Werbekampagnen auf der Spur. Carina Berg

Zu den Kampagnen

7-Eleven: Kaffee wird politisch

In den USA ist die Präsidentschaftswahl auch ein großes Werbethema
In den USA ist die Präsidentschaftswahl auch ein großes Werbethema
Die berühmteste Kampagne zur US-Wahl ist wohl die der Ladenkette 7-Eleven. Das Unternehmen lässt seine Kunden mit einem Kaffeebecher für Obama oder Romney voten. Dazu stehen demokratisch-blaue und republikanisch-rote Becher zur Auswahl. Auf dem "Obama"-Becher prangt ein Esel, das Symbol der Demokraten, auf dem "Romney"-Becher ist ein Elefant zu sehen. Der frisch gebrühte Becher Demokratie kommt mit dem Claim "Kauf einen Kaffee und gib eine Stimme ab" daher.

7-Eleven nutzt politische Wahlen seit 2000 zum eigenen Werbezweck. Die Partei-Becher gab es bereits zur letzten Präsidentschaftswahl vor vier Jahren. Damals sagte die Kaffeeumfrage sogar das richtige Wahlergebnis voraus, als Barack Obama gegen John McCain gewann. Wenn es nach dem Kaffeevoting geht, hat Obama dieses Jahr wieder die Nase vorn. Er liegt mit etwas über 50 Prozentpunkten vor seinem Herausforderer Romney.

Umblättern: Busken Bakery -die präsidialen Cookies

Busken Bakery: Die präsidialen Cookies

 
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Beim "Government Bake Sale" im Wechselwählerstaat Ohio verkauft die Bäckerei Busken in Cincinnati zum siebten Mal ihre präsidialen Cookies. Seit 1984 backt der Familienbetrieb, der 1928 gegründet wurde, zu jeder Wahl Präsidentenkekse und rechnet den Verkauf als Wahlergebnis hoch. Bisher kam es nie zu einer höheren Abweichung als 4 Prozent vom politischen Wahlergebnis. Dies würde einen Vorteil für Amtsverteidiger Barack Obama bedeuten, der momentan einen Vorsprung vor Mitt Romney von knapp 2000 verkauften Cookies besitzt.

In den USA ist die Präsidentschaftswahl auch ein großes Werbethema
In den USA ist die Präsidentschaftswahl auch ein großes Werbethema
Ein Dutzend der Präsidentenkekse sind auf der Homepage der Bäckerei für 40 US-Dollar zu haben. Die Zutaten in den Cookies sind übrigens exakt die gleichen, das Einzige was die Kekse unterscheidet, ist die Farbe des Zuckergusses: Obama hebt seine Daumen vor blauem Hintergrund in die Höhe, Herausforderer Romney vor rotem.

Umblättern: Statedate - Rot und Blau daten 

Statedate: Rot und Blau daten 

Die Internetplattform Statedate für Partnersuche will Menschen mit gleicher politischer Einstellung zusammenbringen. Die Seiten RedStateDate.com und BlueStateDate.com zielen darauf ab, jeweils liberale und konservative Wähler zu vereinen. Als Wahlspecial winkt Usern eine vierjährige Gratis-Mitgliedschaft, wenn der entsprechende Kandidat der Seite gewinnt und sich die Nutzer zuvor für eine Mitgliedschaft registriert haben.

Die Aktion bewirbt die Plattform mit zwei witzigen Online-Clips auf Youtube, die spiegelverkehrt angelegt sind. Die Spots spielen mit der immer stärker wachsenden Verfeindung der beiden großen Parteien in den USA. So brechen die im Spot gezeigten Singles in Tränen aus, als sie erfahren, dass der Datingpartner die Gegenpartei bevorzugt.



Die Plattformen stellen außer der Partnersuche auch Foren zur Verfügung, in denen über politische Themen diskutiert werden kann. Im Internet wird spekuliert, dass der Werbetexter JD Beebe für die Online-Kampagne verantwortlich ist.

Umblättern: Pizza Hut - die 15.600 Dollar Frage

 

Pizza Hut: Die 15.600 Dollar Frage

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Beinahe hätte die Welt erfahren, ob Barack Obama und Mitt Romney lieber Salami oder Peperoni auf ihrer Pizza essen. Wissen tut es letztlich aber doch niemand, weil die Fast-Foodkette Pizza Hut ihre Marketingaktion abgeblasen hat. Kurz vor dem zweiten TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten am 16. Oktober startete sie die Aktion „Pizza Party" und wollte wissen, was die Politiker gerne auf ihrer Pizza hätten.  Weil die US-Medien sehr negativ auf dieses Vorhaben reagierten, ruderte Pizza Hut kurzfristig jedoch zurück.

Zuvor hatte das Unternehmen jedem lebenslang kostenlose Pizza versprochen, der die beiden Kandidaten in der live übertragenen TV-Debatte nach ihrem Lieblingsbelag gefragt hätte. Der glückliche Gewinner sollte entweder über 30 Jahre lang jede Woche eine kostenlose Pizza erhalten oder einen Pizzagutschein im Wert von 15.600 Dollar bekommen. Medien griffen den PR-Gag von Pizza Hut an und warfen dem Unternehmen vor, das demokratische System zu verspotten.

Pizza Hut änderte daraufhin seine Strategie und stellte die Salami-oder-Peperoni-Frage als Online-Voting ins Internet. Damit umging es die Frage an die Kandidaten bei der Fernsehübertragung des politischen Duells. Der lebenslange Pizzagutschein wird jetzt unter den Onlinewählern verlost.

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Sein Marketing-Ziel hat Pizza Hut mit dem verursachten Medienhype wohl erreicht.  Doch auch andere Pizzamarken nutzen die Wahl für sich. Die Kette Domino's hat ihr eigenes Kandidatenvoting auf ihrer Homepage veröffentlicht. Seit dem ersten Oktober fragt das Unternehmen in seiner Umfrage "Pizza und Politik" bei jeder Bestellung, ob der Kunde liberal oder konservativ wählen wird, oder ob er noch unentschieden ist. Domino's gibt an, es wolle mit der Umfrage Trends und Vorlieben der einzelnen Wählergruppen herausfinden, falls es solche gäbe.

Umblättern: Bliss: Orange gegen Minze

Bliss: Orange gegen Minze

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Wahlkampf-Marketing können jedoch nicht nur Lebensmittelhändler. Auch die Spa-Kette Bliss wollte sich eine Kampagne zur Präsidentschaftswahl auf keinen Fall entgehen lassen. Bereits im August stellte sie ihr Produkt für die politische Schlacht zwischen Obama und Romney vor.

Mit der „Eau'lection"- Kollektion 2012 bietet das Unternehmen zwei Body Lotions, die nach den Kandidaten benannt sind.  Der Kunde kann zwischen einer Creme aus Orangenextrakt für „Barack O'bama" oder aus Minze für „Mint' Romney" wählen.

Die Lotions aus der limitierten Edition kann man nicht kaufen. Kunden bekommen sie von Bliss geschenkt, wenn diese bei einer Online-Bestellung oder in einem der Spas vor Ort mindestens einen Wert von 50 US-Dollar ausgegeben haben. hor 

Umblättern: Jetblue - Flucht nach der Niederlage

Jetblue: Flucht nach der Niederlage

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Auch nach der Präsidentschaftswahl gibt es für die Wähler in Amerika noch etwas zu gewinnen und dass sogar, wenn ihr Kandidat verloren hat. Die Billigfluglinie Jetblue startete Anfang Oktober ihre Aktion „Election Protection". Kunden können sich auf der Homepage des Unternehmens registrieren und dort ihren bevorzugten Präsidentschaftskandidaten wählen. Die Airline verlost nach der Wahl unter den Verlierern und als Hommage an das Wahljahr 2012 Flüge.

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Wähler sollen die Chance haben, das Land verlassen zu können, wenn sie vom Wahlausgang enttäuscht sind. Ihr Ziel können die Gewinner frei auswählen. Jetblue fliegt 21 verschiedene Flughäfen in Ländern Südamerikas und auf den karibischen Inseln an.

Die Marketing-Aktion zur Wahl bewarb das Unternehmen Ende Oktober eine Woche lang mit einem Bus, der durch New York City tourte. Passanten wurden dabei aufgefordert wählen zu gehen und sich bei der Jetblue-Aktion im Internet zu registrieren.

Umblättern: Volkswagen: Bitte recht freundlich!

Volkswagen: Bitte recht freundlich!



Der Deutsche Autobauer Volkswagen hält mit seiner "Präsidentenkampagne" gegen den Trend. Der TV-Spot des Unternehmens soll den amerikanischen Bürgern eine Pause vom Wahlkampf geben und sie einmal nicht an Politik denken lassen. Er wird in den Werbepausen lockerer politisch orientierter Sendungen wie Comedy Central gezeigt. 

Der Spot trägt den Namen "Smile" und zeigt lachende, fröhliche Menschen unterschiedlichsten Alters und in den verschiedensten Situationen. Unter dem Claim "Das ist die Kraft deutscher Ingenieurskunst" möchte VW zeigen, dass seine Marke Positivität verkörpert.

Umblättern: Simpsons: Wenn böse Milliardäre wählen

Simpsons: Wenn böse Milliardäre wählen



Die Kultserie "Simpsons" kommentiert regelmäßig die politischen und gesellschaftlichen Trends der USA. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch die aktuelle Präsidentenwahl als Thema für eine Programmpromotion herhalten muss. In ihr versucht sich Montgomery Burns, der böse Milliardär der Serie, als Wahlkampfhelfer für den republikanischen Kandidaten Mitt Romney. Dass dabei alle Argumente gegen Romney zur Sprache kommen, ist eine besonders feine Ironie. Denn "Simpsons" wird auf dem Sender Fox ausgestrahlt, der in seinen Nachrichtenprogrammen unverhüllt Position für die republikanische Partei bezieht. Carina Berg
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