OWM zu Werbeverboten: "Das ist Enteignung der Markeninhaber"

Donnerstag, 27. Juni 2013
OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz (Bild: OWM)
OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz (Bild: OWM)


Werbeverbote waren gestern. Ob Zigaretten oder Babynahrung - mit ihren neuen Beschlüssen reguliert die EU das Verpackungsdesign und greift damit massiv in die Markenrechte der Konzern eine. Die Verbände laufen Sturm. OMW-Geschäftsführer Joachim Schütz wettert im HORIZONT-Interview gegen die "Lifestyle-Regulierungswut" in Brüssel.
Laut aktuellem Beschluss der EU-Gesundheitsminister wird es künftig auch in Europa Schockbilder auf Zigarettenverpackungen geben. Die Marke selbst soll demnach nur noch auf rund 35 Prozent der Verpackungsfläche sichtbar sein. Was sagt der OWM zu einem deratig massiven Eingriff in die Markenarbeit der Konzerne?
Joachim Schütz: Die OWM hat keinerlei Verständnis für das Vorgehen der EU. Es ist in keinster Weise belegt, dass solche Schockbilder die eigentliche Zielsetzung, nämlich dass weniger geraucht wird und insbesondere Jugendliche ganz vom Rauchen abgehalten werden, unterstützen. Ein solcher Eingriff in die Verpackungsgestaltung ist letztendlich nichts anderes als eine Enteignung der Markeninhaber. Wir sind auch enttäuscht von der deutschen Delegation in Brüssel. Denn obwohl die Bundesregierung durchaus Verständnis für die Position der Markenwirtschaft hat und deren Bedenken teilt, haben sich die deutschen Vertreter dem politischen Mainstream in Brüssel nicht widersetzt.

Die Tabakindustrie ist längst nicht mehr die einzige, die von massiven Regularien betroffen ist. Welche Gefahren sehen Sie generell für deutsche Industrien angesichts der zunehmenden Restriktionen?
Schütz: Unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes werden von der Politik immer mehr Lebensbereiche reglementiert. Die Lifestyle-Regulierungswut der politischen Bürokraten in Brüssel macht vor keiner Branche halt. Die aktuellen Diskussionen um Tabakwaren sind ja nur die Spitze des Eisberges. Alkoholische Getränke, Softgetränke, Süßwaren, Automobile, Kosmetika oder Finanzdienstleistungen stehen schon auf der Agenda der Regulierer.

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Das komplette Interview mit OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz in der aktuellen Printausgabe von HORIZONT 26/2013.

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Ihr OWM-Kollege Uwe Storch warnte schon auf dem Werbekongress 2012 davor, dass Zalando irgendwann auf seinen Kartons davor warnen müsste, "dass Frauen in High-Heels umknicken können"- wie viele Realismus steckt Ihrer Ansicht nach in diesem Szenario?
Schütz: Wenn Sie sich manche Warnhinweise in den USA anschauen, ist es bereits die Realität. Gewisse Warnungen sind sicherlich wichtig, aber eine völlige Entmündigung des Bürgers kann doch nicht das Ziel der Politik sein. Wenn überall steht "Vorsicht", " Achtung", "Gefahr" kommt der Punkt, an dem sich niemand mehr dafür interessiert.

Bei der ganzen Diskussion stellt sich immer mehr die Frage: Wo bleibt der mündige Bürger?
Schütz: Da haben Sie Recht. Die ganze Diskussion steht im fundamentalen Widerspruch zum Leitbild eines mündigen Bürgers, zu dem sich auch die werbenden Markenunternehmen bekennen. Auch die Bundesregierung sagt: "Unser Leitbild ist der gut informierte und zu selbstbestimmten Handeln befähigte Verbraucher". Im politischen Alltag in Brüssel und Berlin findet sich dieses Bekenntnis der Bundesregierung leider oftmals nicht wider. as
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