Nike: Fluch über der WM-Kampagne

Mittwoch, 30. Juni 2010
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Die Kampagne gilt schon jetzt als eine der spektakulärsten in der Werbegeschichte. Doch auf dem 3-minütigen Spot des Sportausrüsters Nike "Write the future" (Kreation: Wieden + Kennedy, Amsterdam) zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika scheint ein Fluch zu liegen. Die meisten Protagonisten des Werbefilms sind bereits ausgeschieden - oder durften gar nicht erst bei der WM antreten. Das Kernelement des Commercials: eine einzige Spielszene kann das Leben von Fußballstars verändern - positiv und negativ. In der Realität hat sich bei den Protagonisten mittlerweile mehr Fluch als Segen durchgesetzt. Zum Beispiel bei Wayne Rooney. Der englische Stürmerbulle stand im Commercial zwischen einem Ritterschlag durch die Queen und einem tristen Leben in einer Wohnwaagensiedlung. Ersteres ist in unerreichbare Ferne gerückt. Rooney konnte keinen einzigen Ball im Tor der Gegner versenken und musste sich nach dem 4:1-Aus gegen Deutschland bereits im Achtelfinale aus dem Turnier verabschieden.

Ebenso Fabio Cannavaro: Im Spot wehrt Italiens Superstar einen Torschuss von Didier Drogba ab und wird in seiner eigenen Varieté-Show umjubelt. Bei der WM kann Cannavaro dagegen keine Akzente setzen. Das Ergebnis: Der Titelverteidiger scheidet nach der Vorrunde mit nur zwei mageren Pünktchen aus. Besser hat es auch Didier Drogba nicht getroffen. Der Hoffnungsträger der Elfenbeinküste brach sich wenige Tage vor Turnieranpfiff den Ellenbogen. Gehandicapt durch die Verletzung schaffte er es nicht, seine Mannschaft ins Achtelfinale zu dirigieren.

Der Auftritt von Frankreich-Star Franck Ribéry endete ebenfalls in der Vorrunde. Nach der Schmach im letzten Gruppenspiel gegen Gastgeber Südafrika, das Frankreich 1:2 verlor, musste Ribéry seinen Traum vom erneuten Einzug ins WM-Finale schon früh begraben. Die gesamte Equipe Tricolore versinkt nach der üblen Beschimpfung von Teamkollege Nicolas Anelka gegen Trainer Raimond Domenech im Chaos. Und Portugal-Stürmer Cristiano Ronaldo, dem im Commercial sogar ein Denkmal gebaut wird, geht in der Achtelfinal-Partie gegen Spanien sang und klanglos unter.

Einen Lichtblick gibt es jedoch: Brasilien fegte im Achtelfinale Chile mit 3:0 vom Platz und trifft nun im Viertelfinale auf Holland. Dass Ronaldinho, der im 3-Minuten-Epos eine der Hauptrollen spielt, von Trainer Dunga jedoch erst gar nicht für das Turnier nominiert wurde, macht Nike mit einem neuen Spot wett, den der Sportausrüster erst kürzlich gelauncht hat. Darin schreibt der brasilianische Offensivspieler Robinho mit einem brillanten Dribbling samt Abschluss Fußballgeschichte.

Nike kommentiert das Ganze gegenüber HORIZONT.NET folgendermaßen: "Homer Simpson war gar nicht bei der WM und Kobe Bryant hat ja immerhin den NBA-Titel gewonnen! Nein, aber mal im Ernst, es freut uns natürlich, dass man sich nach wie vor so intensiv mit unserem Spot beschäftigt. Dass im Laufe eines Turniers, die Mannschaften und auch die Stars weniger werden, liegt in der Natur der Sache. Und genau darum geht es ja in unserem Spot: um Sieg und Niederlage, um entscheidende Momente im Fußball, die auf humorvolle Art und Weise in Szene gesetzt worden sind. Im Übrigen ist Mesut Özil ja auch Teil der "Write the Future"-Kampagne und Robinho sowie Luis Fabiano stehen im Viertelfinale mit Brasilien, das immernoch als ganz großer Titelkandidat gehandelt wird. Also schauen wir doch mal, ob einer von ihnen Geschichte schreiben wird", so Nike-Sprecher Olaf Markhoff.

Mit Blick auf die Mannschaften zeigt sich: Nike ist als Ausrüster noch mit zwei Teams im Turnier vertreten (Holland und Brasilien), Konkurrent Puma hat mit Uruguay und Ghana ebenfalls noch zwei Eisen im Feuer. Fifa-Partner Adidas liegt mit noch vier Teams im Rennen (Deutschland, Argentinien, Paraguay und Spanien). jm
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