Nielsen: Werbemarkt legt in Deutschland um 4,5 Prozent zu

Mittwoch, 13. April 2011
Nielsen-Geschäftsführer Ludger Wibbelt
Nielsen-Geschäftsführer Ludger Wibbelt

Zehn Tage vor Ostern legt Nielsen der Branche ein Überraschungsei ins Nest. Es enthält die positiven Quartalszahlen mit brutto 5,7 Milliarden Euro, einem gestiegenen Werbedruck um 4,5 Prozent und nahezu alle Mediengattungen im Plus. Primus TV legte um knapp ein Prozent zu und verbucht 2,4 Milliarden Euro. Die in der Vergangenheit stark gebeutelten Publikumszeitschriften gewinnen 6,6 Prozent hinzu und kommen auf einen Umsatz von 850,6 Millionen Euro. Dass Online im Mediamix nicht nur in Schaufensterreden und Powerpointpräsentationen an Bedeutung gewinnt, sondern auch bei den Buchungen, zeigen erneut die ersten drei Monate des Jahres. 624 Millionen registriert Nielsen für den digitalen Kanal. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Plus von fast 36 Prozent. Radio steigert den Umsatz um 6,1 Prozent auf 322 Millionen, Fachzeitschriften wachsen um 5,4 Prozent auf rund 103 Millionen. Für Kino rechnet sich mehr und mehr die Umstellung auf die  performance-basierte Abrechnung. Ein sattes Plus von 9 Prozent und rund 16 Millionen Euro spielt das in die Kassen der Vermarkter.

Die Media-Saturn-Holding hat ihre Investitionen um 26 Millionen Euro zurückgefahren
Die Media-Saturn-Holding hat ihre Investitionen um 26 Millionen Euro zurückgefahren
Sorgen bereiten dagegen einmal mehr die Tageszeitungen. Waren die Blätter in den vergangenen beiden Monaten noch positiv in ihrer Entwicklung, geht es jetzt wieder abwärts.  Zwar kommen sie ohne das Rubrikengeschäft, das Nielsen nicht erfasst, auf einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro, allerdings entspricht das im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Minus von 2,7 Prozent. Und dafür sind hauptsächlich drei Unternehmen verantwortlich. Die Media-Saturn-Holding hat ihre Investitionen um 26 Millionen Euro zurückgefahren, Aldi um 17,5 Millionen Euro, Lidl um 16,8 Millionen Euro. Damit zeigt sich erstmals deutlich, wie sich der Testlauf von einzelnen Aldi-Süd-Regionalgesellschaften, auf Tageszeitungen zu verzichten, auswirkt. Hinzu kommt, dass Aldi Nord verstärkt in Publikumstitel investiert.

Toyota schraubt seine Spendings um 13 Millionen Euro hoch
Toyota schraubt seine Spendings um 13 Millionen Euro hoch
Ohnehin schwächelt der Handel auffällig. Die Investitionen von 479 Millionen Euro sind nach wie vor beachtlich - der Rückgang um knapp 36 Millionen allerdings auch. Davon entfallen knapp 23 Millionen auf die Vollsortimenter wie Edeka. Im Vorjahresquartal hatte der Filialist aus Hamburg vor allem mit seiner Imagekampagne "Wir lieben Lebensmittel" für viel Werbedruck gesorgt. 

Dagegen stehen die Autobauer nach wie vor auf dem Gas. Knapp 38 Millionen gaben die Hersteller mehr aus. Überraschenderweise führt das Ranking der ausgabefreudigsten Marken mit einem Plus von 13 Millionen Toyota an vor Opel und Seat. Und das dürfte nicht das Ende sein. "Für den weiteren Verlauf des Jahres wird der Werbemarkt von den Pkw-Kampagnen für neue Modelle und hier insbesondere mit einem Schwerpunkt zum Thema Nachhaltigkeit profitieren.", prognostiziert Ludger Wibbelt.

Daher kann es der Geschäftsführer von Nielsen auch verschmerzen, dass der März das Gesamtergebnis etwas trübt. Um Minus 2,1 Prozent gingen die Spendings zurück, was Wibbelt unter anderem mit dem späten Osterfest in diesem Jahr erklärt. Entfielen im ersten Quartal 2010 rund 31 Millionen Euro auf Werbung rund um das hohe christliche Fest, waren es in diesem Jahr lediglich 5,8 Millionen Euro. Die Folge: "Wir erwarten einen starken April, denn Osterzeit ist Werbezeit", sagt Wibbelt. Ob die Überraschung gelungen ist, zeigt sich dann im Mai. mir
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