"Nicht nachvollziehbar": Hipp wehrt sich gegen Vorwurf der "dreistesten Werbelüge"

Dienstag, 19. Juni 2012
Aus Sicht von Claus Hipp kann von einer Werbelüge keine Rede sein
Aus Sicht von Claus Hipp kann von einer Werbelüge keine Rede sein

Claus Hipp wird heute alles andere als "amused" sein. Der Chef des Babynahrungs-Konzerns, der in der Werbung immer mit seinem Namen für die Qualität der Hipp-Produkte bürgt, muss sich um seinen Ruf und den seines Unternehmens sorgen. Der Grund: Hipp wurde heute von Foodwatch mit dem Goldenen Windbeutel "ausgezeichnet". Diesen Anti-Preis verleiht die Verbraucherschutzorganisation seit Jahren für die "dreisteste Werbelüge". Hipp weist die Vorwürfe in aller Form zurück.
Diese Zuckergranulat-Tees brachten Hipp den Goldenen Windbeutel ein
Diese Zuckergranulat-Tees brachten Hipp den Goldenen Windbeutel ein
Den Goldenen Windbeutel erhält Hipp für seine Zuckergranulat-Tees "Früchte", "Waldfrüchte" und "Apfel-Melisse", die das Unternehmen für Kinder ab dem 12. Monat anbietet. Bei der Online-Abstimmung auf der Foodwatch-Seite Abgespeist.de stimmten mit 34,1 Prozent die Mehrheit der knapp 130.000 Verbraucher für Hipp. Auf Rang 2 kommt Netto mit seiner  "Viva Vital Hackfleisch-Zubereitung" mit 27,5 Prozent, gefolgt von Becel pro.activ von Unilever (22,2 Prozent), Clausthaler von Radeberger (10,1 Prozent) und Landlust Mirabelle & Birne von Teekanne (6,1 Prozent).

Aus Sicht von Foodwatch hat sich Hipp den Preis für die "dreisteste Werbelüge" redlich verdient: "Zuckergranulat mit Wasser aufgegossen: Eltern ein solches Produkt für Kleinkinder zu empfehlen ist unverantwortlich und passt in keiner Weise zu dem so oft betonten Anspruch von Hipp, kindgerechte und gesunde Produkte anzubieten", kritisierte Oliver Huizinga von Foodwatch.

Bei Hipp sieht man das freilich ganz anders. Die Verleihung des „Goldenen Windbeutel“ von Foodwatch für die dreisteste Werbelüge sei "absolut nicht nachvollziehbar", teilt das Unternehmen mit. Und das schon aus formalen Gründen: So würden die kritisierten Produkte überhaupt nicht beworben. Der Vorwurf der „Werbelüge“ müsse sich folglich allein auf die Angaben auf der Verpackung beziehen. "Auf der Verpackung aber wird transparent und für den Verbraucher deutlich erkennbar der Zuckergehalt der Produkte angegeben - und zwar mit 3,8 % Zucker im trinkfertigen Produkt", teilt das Unternehmen mit. Von einer „Werbelüge“ könne also nicht die Rede sein.

Zudem verweist Hipp auf sein breites Sortiment an zuckerfreien Tees und darauf, dass sich das Unternehmen bei seinen Tees an den Empfehlungen des aid Infodienstes, Bonn, orientiere, die vom Bundesministerium für Verbraucherschutz unterstützt und auch von Foodwatch zitiert würden.


Die Entrüstung bei Hipp dürfte auch deshalb so groß sein, weil das Unternehmen bereits auf die Vorwürfe von Foodwatch reagiert hat. So kündigte Hipp kürzlich an, die kritisierten Instant-Tees bis Ende dieses Jahres durch neue Produkte ohne Zuckerzusatz zu ersetzen. Für Foodwatch war das allerdings kein Grund, Hipp nicht für den Goldenen Windbeutel zur Wahl zu stellen. Huizinga von Foodwatch bezeichnet den Schritt zwar als "richtig". Allerdings sei noch nicht absehbar, ob die Nachfolgeprodukte dem Hipp-Anspruch von "kindgerechten" und "gesunden" Produkten genügen würden, da das Unternehmen die Zusammensetzung der Ersatzprodukte noch nicht bekannt gegeben habe. mas
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