Netto: Gericht stoppt irreführende Schuh-Werbung

Donnerstag, 03. November 2011
Scan der Netto-Anzeige in der "Bild am Sonntag": Der Testnachweis fehlt
Scan der Netto-Anzeige in der "Bild am Sonntag": Der Testnachweis fehlt

Das Landgericht Amberg hat dem Discounter Netto die Werbung für den Fitnesschuh Walk Maxx verboten. Grund: Die Edeka-Tochter verspricht den Käufern des Schuhs "30 Prozent mehr Muskelaktivität" und versieht diese Behauptung mit dem Hinweis "Wissenschaftlich getestet" - jedoch ohne Quellenangabe. Das Gericht urteilte, dass dem Verbraucher somit nicht die Möglichkeit gegeben sei, das Testergebnis selbst zu überprüfen. "Fehlt es daran, beeinträchtigt dies die Möglichkeit des Verbrauchers, die testbezogene Werbung zu prüfen und und insbesondere in den Gesamtzusammenhang des Tests einzuordnen", heißt es im Urteil. Der Richterspruch bezieht sich auf sämtliche Werbeträger, neben Print also auch TV. Dort hatte Netto ebenso für den Schuh geworben.

Nach Meinung der Richter hat Netto damit gegen das "Gebot der fachlichen Sorgfalt" verstoßen. Wie das "Handelsblatt" berichtet, droht Netto ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro, sollte der Discounter besagte Werbung weiter schalten. Bislang ist das Urteil nicht rechtskräftig. Netto möchte die Angelegenheit derzeit nicht kommentieren.

Geklagt hatte im März dieses Jahres der Verein Düsseldorfer "Wirtschaft im Wettbewerb". Dieser hatte von Netto eine Unterlassungs-Verpflichtungs-Erklärung gefordert. Der Discounter verweigerte diese jedoch. Über das Urteil aus Amberg herrscht Freude bei den Verbraucherschützern: "Produkttests stellen ein überaus wichtiges Kaufargument dar. Deshalb ist es im Interesse des Verbrauchers, sich anhand einer Quellenangabe über den genauen Inhalt eines Testergebnisses informieren zu können", so Wirtschaft-im-Wettbewerb-Geschäftsführerin Viola Huber gegenüber HORIZONT.NET. "Erfolgt diese Information nicht, stellt dies nicht nur ein Informationsdefizit für den potentiellen Kunden, sondern auch einen Wettbewerbsnachteil für Mitbewerber dar, die ihre eigene Testwerbung transparent gestalten. Das Urteil ist damit ebenso für Verbraucher, wie den fair agierenden Händler gleichermaßen erfreulich." ire
Meist gelesen
stats