Nespresso wehrt sich gegen Solidar Suisse-Kampagne

Mittwoch, 07. September 2011
Nestlé und Nespresso legen Wert auf "grünen Kaffee" (Foto: Pierre Bross)
Nestlé und Nespresso legen Wert auf "grünen Kaffee" (Foto: Pierre Bross)

Die Schweizer Organisation Solidar Suisse launchte am vergangenen Sonntag einen Viral-Spot, der den Lebensmittelkonzern Nestlé und dessen Kaffeemarke Nespresso zur Verwendung fair gehandelten Kaffees auffordern soll. Nun melden sich die Angegriffenen zu Wort: Nespresso kritisiert Solidar Suisse für die Kampagne, lädt die Aktivisten aber zum Dialog ein.

Stein des Anstoßes: Ein Double des Nespresso-Testimonials George Clooney macht in dem Film "Der geheime Clooney-Spot, den Nespresso verbieten will" unsanfte Bekanntschaft mit einer Reklame-Tafel, deren Aufdruck stark an das Nespresso-Logo erinnert. Anschließend wird der Zuschauer aufgefordert, Clooney über eine eigens eingerichtete Website zu schreiben: Der Hollywood-Star solle Druck auf Nespresso machen, fair gehandelten Kaffee zu verwenden oder andernfalls sein Engagement als Testimonial zu kündigen.

Nespresso-Sprecher Hans-Joachim Richter betont gegenüber HORIZONT.NET, dass man nie vor hatte, das Video zu verbieten: "Wir haben zu keiner Zeit das Recht der Organisationen, ihre Meinung zu veröffentlichen, in Frage gestellt." Die Art und Weise, in der Solidar Suisse die Kampagne führe, verurteilt das Unternehmen jedoch "aufs Schärfste".

Bei Nespresso lege man seit Jahren schon großen Wert auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Das Unternehmen verweist auf sein Nachhaltigkeits-Programm Nespresso AAA Sustainable Quality, das den Kunden des Unternehmens beste Kaffeequalität, gleichzeitig aber die Lebensgrundlagen der Farmer und ihrer Dorfgemeinschaften in den Anbauländern sichern soll. "Es ist ein zentraler Eckpfeiler unseres AAA-Programms, dass Nespresso den Kaffeefarmern Prämien für Qualität und Nachhaltigkeit bezahlt – und zwar in einer Größenordnung von etwa 30– 40% über dem marktüblichen Preis für Kaffee", erklärt Nespressos Deutschland-Chef Holger Feldmann. Angesichts hoher Weltmarktpreise für Kaffee komme so eine deutlich höhere Summe bei den Kaffepflückern an, als bei Zahlung des Fair Trade Mindestpreises. Dieser fällt je nach Anbaugebiet und Kaffeesorte unterschiedlich hoch aus.

Im vergangenen Jahr bezog das Unternehmen nach eigenen Angaben 60 Prozent seines Rohkaffees aus dem AAA-Programm, für 2013 habe man sich das Ziel von 80 Prozent gesetzt. Nach Schätzungen werde man dann mit rund 80.000 Farmern in geschäftlichen Beziehungen stehen. "Unser AAA-Programm ist darauf ausgelegt, die ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekte des Kaffeeanbaus zu verbinden. Wir sind daher überzeugt, dass Nespresso bereits jetzt mehr für die langfristige Lebensqualität der Farmer, ihrer Familien und ihrer Arbeiter tut, als die Kampagne fordert", so Feldmann.

Trotz aller Verstimmung zeigt sich Nespresso bereit, mit Solidar Suisse in Dialog zu treten. "Wir bei Nespresso sind stolz auf die bisherigen Erfolge unseres AAA-Programms und sind selbstverständlich bereit, dazu mit unseren Stakeholdern in Dialog zu treten. Dies gilt auch für diese Kampagne", versichert Feldmann. Noch in dieser Woche ist ein Treffen zwischen Unternehmensmitgliedern und Solidar Suisse-Geschäftsführerin Ruth Daellenbach geplant. ire
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