Nazi-Klischees: Citroën-Spot erregt Gemüter

Mittwoch, 30. Juli 2008
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Streng gescheitelte Blondschöpfe, Adlerhorst-Romantik, der Reichsadler und Wagners Walkürenritt: In seiner Einführungskampagne für den C5 in Großbritannien bedient Citroën derzeit jedes erdenkliche Klischee vom Nazi-Deutschen. Im Internet wird der Auftritt schon länger diskutiert - und auch Prominente und Politiker halten sich mit ihrer Meinung nicht zurück. "Unmistakeably German" ("unverkennbar deutsch") lautet der Claim des Auftritts, den der Autobauer aus Frankreich im Frühjahr auf der Insel gestartet hat. Die Kampagne vom Stammbetreuer Euro RSCG zielt mit dem Stereotypen-Spiel darauf ab, den C5 als ebenbürtigen Konkurrenten für die technisch avancierten Modelle deutscher Premiumhersteller darzustellen. Auf der Microsite für die Kampagne wird die Aktion weitergetrieben: User können dort ein kleines Quiz absolvieren - zur freilich nicht ganz ernst gemeinten Frage "How german are you?".

Trotz der offensichtlichen Ironie stößt die Kampagne zahlreichen Prominenten und Politikern sauer auf. "Ich finde es traurig, wenn französische Autos mit britischem Blick auf Nazideutschland verkauft werden sollen. Europa ist weiter. Heutige Autoverkäufer sicher auch", sagte die EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin (FDP) gegenüber "Auto Bild". Und auch Michel Friedman, vormals Vize des Zentralrats der Juden in Deutschland und heute TV-Moderator, kann der Kampagne nichts abgewinnen: "Citroën sollte es nicht nötig haben, im 21. Jahrhundert der Globalisierung Autos mit nationalen Vorurteilen und billigen Klischees zu vermarkten."
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