Nationale Buchpreisbindung vor dem Fall

Montag, 14. Juni 1999

Nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels droht der Preisbindung in Deutschland das Aus. Entgegen der bisherigen Beteuerungen der europäischen Wettbewerbskommission unter Leitung Karel van Mierts, lediglich die grenzüberschreitenden Vereinbarungen prüfen zu wollen, ist nun auch das nationale Preisbindungssystem in den Fokus der Wettbewerbshüter geraten. Ein Entwurf der Kommission beinhaltet nach Ansicht der Vertreter des Börsenvereins "eindeutig die Absicht, die nationale Preisbindung abzuschaffen". Gegen dieses Vorgehen hat sowohl der Börsenverein als auch der Verband deutscher Schriftsteller in den IG Medien, das PEN-Zentrum Deutschland, die IG AutorInnen Österreich sowie die Schweizer Autorengruppe Olten scharfen Protest eingelegt. Der Wegfall der Preisbindung in den betroffeneren Ländern zerstöre demnach "die Existenz einer vielfältigen und pluralistischen Kultur von Tausenden Verlagen und Buchhandlungen zugunsten weniger marktbeherrschender Unternehmen". Die Verbände prognostizieren bei einem Verlust des Preisbindungssystems den Wegfall von 25 bis 30 Prozent der aktuellen Arbeitsplätze in Buchhandlungen und Verlagen. Gegen den Wegfall der grenzüberschreitenden Preisbindung will der Börsenverein Klage beim Europäischen Gerichtshof einreichen. Sollte auch das nationale System bedroht sein, werde man auf ein nationales Gesetz drängen, das, ähnlich dem System in Frankreich, eine gesetzlich verankerte Preisbindung ermöglichen soll.
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