Nach dem Costa-Fiasko: Aida-Marketing-Chef will das Thema Sicherheit "jetzt aktiv angehen"

Donnerstag, 01. März 2012
Auch Aida muss das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen
Auch Aida muss das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen

Die Kreuzfahrtbranche steht unter einem nie dagewesenen Druck. Die lange Zeit so boomfreudige Sparte der Tourismusindustrie, deren Passagier-, Umsatz-, und Gewinnzahlen stetig nach oben zeigten, muss erstmals knallharte Buchungsrückgänge fürchten. Nach der Katastrophe der Costa Concordia Mitte Januar und dem Brand auf der Costa Allegra, die heute manövrierunfähig in den Hafen von Mahé auf den Seychellen geschleppt werden musste, dürfte zumindest das Ende der Marke Costa endgültig besiegelt sein. Schließlich hatte Costa-Crociere-Präsident Pier Luighi Foschi bereits Mitte Februar die Zukunft der Marke als ungewiss beschrieben, der erneute Vorfall auf der Costa Allegra dürfte die Vorgänge nun beschleunigen.

In Deutschland unter besonders starker Beobachtung steht jetzt Aida. Die Rostocker Reederei ist mit derzeit acht Schiffen hierzulande nicht nur Marktführer, sondern über den gemeinsamen Mutterkonzern Carnival Corporation auch Schwesterunternehmen von Costa Corciere. HORIZONT.NET sprach mit Aida-Marketingchef Hansjörg Kunze.

Aida-Marketingchef Hansjörg Kunze
Aida-Marketingchef Hansjörg Kunze
Es ist schon erstaunlich. Obwohl Aida unter dem gemeinsamen Dach der Carnival Corporation ein Schwesterunternehmen von Costa Crociere ist, wurde Aida in der Berichterstattung nach dem Unglück kaum explizit erwähnt oder mit dem Unglück in Verbindung gebracht. Das ist richtig und war durchaus eine große Herausforderung für unsere Krisenkommunikation in den ersten Wochen nach dem Unglück: Obwohl wir Costa-Schwester und in Deutschland Marktführer sind, konnten wir die Marke AIDA aus den Medien weitgehend heraushalten.

Die Buchungen haben dennoch gelitten. Carnival Corporation spricht von einem Rückgang für Costa von rund 35 Prozent, für den Gesamtkonzern von 15 Prozent. Demnach muss auch Aida im Minus liegen. Als börsennotiertes Unternehmen kann ich die von Carnival genannten Zahlen nicht weiter konkretisieren. Eines kann ich jedoch ganz klar sagen: Wir merken deutlich, dass die Fragen zum Thema Sicherheit stark gestiegen sind. Das bedeutet, dass wir für jede einzelne Buchung jetzt wesentlich mehr tun und erklären müssen, als vor dem Unglück.

Dabei dürfte Ihnen die eigentliche Nagelprobe, wie allen Akteuren im Markt, aufgrund der langen Buchungsvorlaufzeiten erst noch bevor stehen. Im Durchschnitt werden rund zwei Drittel aller Kreuzfahrten mindestens 6 Monate im Voraus gebucht. Das Geschäft für 2012 dürfte also auch für Aida schon vor dem Unglück zu einem Gutteil im Kasten gewesen sein. Grundsätzlich ist das glücklicherweise richtig. Alles weitere werden wir sehen müssen. Wichtig ist es jetzt, das Vertrauen der Menschen so schnell wie möglich wieder herzustellen.

Zumal der langfristige Imageschaden für die bislang so boomfreudige Kreuzfahrtbranche noch gar nicht abzusehen ist. Hier kommt Ihnen als Marktführer eine ganz besondere Verantwortung zu. Was genau unternehmen Sie? Ich bin zuversichtlich, dass die Folgen der Katastrophe für die Branche nur ein temporäres Problem sein werden, wenn es uns gelingt, jetzt möglichst schnell unsere Botschaften im Markt zu platzieren. Deshalb tun wir jetzt alles, was uns möglich ist, um das Vertrauen der Kunden schnell wiederherzustellen. Anders als bislang gehen wir das Thema Sicherheit in der Kommunikation jetzt sehr aktiv an. Schon kurz nach dem Unglück haben wir beispielsweise ein spezielles Video produziert und auf Youtube gestellt, in dem AIDA-Kapitäne ganz konkret Sicherheitsfragen unserer Kunden beantworten. Unsere Reisebüropartner finden zudem umfangreiche Informationen zum Thema Sicherheit in unserem Extranet.

Aber wird das wirklich reichen - wäre nicht vielmehr eine Imagekampagne, vielleicht sogar im Schulterschluss mit anderen Reedereien vonnöten? Nein. Zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Für derartige Gedankenspiele ist es noch zu früh. Im Moment konzentrieren wir uns sehr stark auf Pressearbeit um konkrete Aufklärung und Vertrauensbildung zu betreiben. Alles weitere muss man im Laufe des Jahres sehen. Aber klar ist auch: Im Zweifelsfalle könnten wir sehr schnell reagieren und kommunikativ aktiv werden. Interview: Anja Sturm
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