Nach dem ARD "Lidl-Check": Der Discounter meldet sich zu Wort

Mittwoch, 11. Januar 2012
Den "Lidl-Check" sendete die ARD am Dienstagabend zur Primetime
Den "Lidl-Check" sendete die ARD am Dienstagabend zur Primetime
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Lidl ARD Markencheck Konsummarke Ausstrahlung WDR Bangladesch



Die erste Ausstrahlung des WDR-Formats Markencheck im ersten Programm der ARD, brachte dem Sender eine sehr beachtliche Quote: 17 Prozent der 14- bis 49-Jährigen saßen zur besten Sendezeit vor den Fernsehern, um mehr über die Konsummarke Lidl zu erfahren. Jetzt meldet sich der Titelheld des "Lidl-Check" mit seiner eigenen Programmkritik zu Wort. Das Überraschende daran: Während Lidl zu den geäußerten Vorwürfen über den Umgang mit Mitarbeitern und Zulieferern ausdrücklich zurückweist, wird eine besonders kritische Aussage über die Discountmarke mit keinem Wort kommentiert. Der WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn hatte zur Ausstrahlung des Formats klar gemacht, dass sich die Reportage kritisch mit der gesellschaftlichen Rolle der Marke auseinandersetzen werde: "Große Marken faszinieren, aber sie üben auch großen Einfluss aus auf unseren Alltag." Im Verlauf der 45-minütigen Sendungen kamen dann unter anderem Gewerkschaftsvertreter und Arbeiter aus Lidl-Zuliefererbetrieben in Bangladesch zu Wort.

Zu dem Kritik an dem Umgang mit den Mitarbeitern stellt das Unternehmen fest, dass es übertariflich entlohnt und auch bei der Arbeitszeiterfassung transparent arbeitet: "Lidl hat Regeln aufgestellt, die den Prozess der Zeiterfassung von der Erfassung über die Korrektur bis zur Vergütung für Mitarbeiter/-innen und Vorgesetzte transparent macht. Darüber hinaus stehen den Mitarbeitern eine Hotline sowie eine Vertrauensperson bei Rückfragen zur Zeiterfassung zur Verfügung. Sollten Vorgesetzte diese Grundsätze nicht einhalten, wird dies geahndet." Auch in Bezug auf die Zulieferbetriebe in Billiglohnländern fühlt sich Lidl zu unrecht an den Pranger gestellt: "Verbesserungen der Arbeitsbedingungen bei Textilherstellern in Bangladesch sind ein langfristiger Prozess und eine Herausforderung nicht nur für Lidl, sondern für alle Unternehmen der Handelsbranche."

Das ARD-Urteil über die Preisgestaltung des Lidl-Sortiments lässt der Händler dagegen unkommentiert stehen. Die Reportage war in einem Vergleich von Warenkörben verschiedener Discounter und Vollsortimenter zu dem Ergebnis gekommen, dass der Preisvorteil bei Lidl "überschätzt" werde. Zwischen dem teuersten und dem billigsten Warenkorb lag ein Preisvorteil von gerade mal 1,70 Euro.

Insgesamt hält sich die Kritik an dem Vorgehen der Journalisten jedoch in Grenzen. Lidl hat, wie auch die in den kommenden Folgen porträtierten Marken McDonald's und H&M, mit den Reportern zumindest in Einzelpunkten zusammengearbeitet. Und auch der Markenverband kann der neuen Bühne für Konsummarken grundsätzlich positives abgewinnen. Pressesprecher Johannes Ippach: "Eine Berichterstattung über Marken zur Hauptsendezeit spiegelt die Relevanz von Marken in unserer Gesellschaft wider. Ausgewogene Berichterstattung über  Marken, die nicht aus Quotenhascherei in das Boulevardeske abgleitet, stehen wir positiv gegenüber." cam
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