Nach Todesschüssen: Kampagnen mit Sprinter Pistorius ausgesetzt

Donnerstag, 14. Februar 2013
Mittlerweile entfernt: Das Nike-Banner auf Pistorius' Homepage  (Bild: Twitter.com/angel1jones)
Mittlerweile entfernt: Das Nike-Banner auf Pistorius' Homepage (Bild: Twitter.com/angel1jones)


Sportler, Vorbild, Werbeikone: Der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius, dem im Alter von elf Monaten beide Beine amputiert wurden, schaffte es im vergangenen Jahr bis zu den Olympischen Spielen der Nicht-Behinderten. Nun steht Pistorius unter dem Verdacht, seine Freundin erschossen zu haben. Die Werbepartner des 26-Jährigen reagierten prompt - eine im Licht der aktuellen Ereignisse besonders makaber erscheinende Kampagne von Nike wurde umgehend von Pistorius' Homepage entfernt. Oscar Pistorius ist in seiner Heimat Südafrika ein Superstar, gilt er doch als Botschafter für die sportlichen Leistungen des Landes am Kap der Guten Hoffnung. Aufgrund eines Gendefekts fehlten ihm von Geburt an beide Wadenbeinknochen, mit elf wurden ihm deswegen die Beine unterhalb des Knies amputiert. Dennoch wurde er auf Prothesen ein Weltklasse-Sprinter über die 400 Meter, was ihm den Spitznamen "Blade Runner" einbrachte.

Mit seiner Nominierung für die Olympischen Spiele in London 2012 - was Pistorius als erstem behinderten Sportler überhaupt gelang - erlangte er Weltruhm. Noch im selben Jahr wählte ihn das "Time Magazine" unter die 100 einflußreichsten Persönlichkeiten der Welt. Sein Ruhm verhalf Pistorius zu lukrativen Werbeverträgen mit Firmen wie Nike, Oakley, dem französischen Designer Thierry Mugler oder dem britischen Telekommunikationsunternehmen BT.

Umso größer der Schock, als heute Morgen bekannt wurde, dass Pistorius seine Freundin erschossen haben soll. Ob es sich um einen Unfall oder ein Verbrechen handelte, ist noch nicht klar. Die örtliche Zeitung "Beeld" spekuliert, der Sportler habe seine Freundin für einen Einbrecher gehalten und deshalb auf sie geschossen.

Eine der ersten Reaktionen auf die tragische Nachricht fand auf Pistorius Website statt: Dort fand sich noch heute morgen ein Werbebanner von Nike, das den Sprinter dabei zeigt, wie er aus dem Startblock geht - dazu der Claim: "Ich bin die Kugel in der Kammer". Die Kampagne stammt den Credits auf "Coloribus" zufolge aus dem Jahre 2007 und wurde kreiert von Nikes Stammagentur Wieden + Kennedy. Das Banner wurde mittlerweile entfernt, auf Twitter kursiert es aber noch als Screenshot. Ein Nike-Sprecher sagte der Nachrichten-Agentur Reuters, man sei traurig über die Ereignisse heute morgen, wolle aber diesem Zeitpunkt keinen weiteren Kommentar abgeben.

Ein Werbeplakat mit Pistorius wird entfernt (Quelle: Screenshot Instagram.com/dionchang)
Ein Werbeplakat mit Pistorius wird entfernt (Quelle: Screenshot Instagram.com/dionchang)
Der südafrikanische Kabelsender M-Net hingegen, der derzeit mit Pistorius als Botschafter für eine Filmreihe wirbt, will die Werbung mit dem Sprinter aussetzen: "Aus Respekt und Mitgefühl für die Hinterbliebenen wird M-Net die ganze Oscar-Kampagne mit sofortiger Wirkung zurückziehen", schreibt der Sender auf Facebook in einer Antwort an die Frage eines Nutzers. Ein Werbevideo, in dem Pistorius auftritt, ist allerdings nach wie vor auf einer Unternehmensseite zu sehen. Ein Passant in Südafrika hielt unterdessen auf einem Foto fest, wie unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe ein Werbeplakat des Unternehmens mit Pistorius' Konterfei entfernt wird.

Zurückhaltender reagiert der Prothesenhersteller Össur. Das isländische Unternehmen stattet Pistorius mit jenen Laufhilfen aus, die ihm den Namen "Blade Runner" einbrachten. "Ich kann nur sagen, dass unsere Gedanken und Gebete mit Oscar und den betroffenen Familien sind", sagte CEO Jon Sigurdsson laut "Indiatimes" gegenüber Reuters. Aber es sei derzeit viel zu früh, um eine Aussage über die weitere Partnerschaft mit Pistorius zu machen. Eine Unternehmenssprecherin sagte allerdings laut "Bloomberg", man würde den Deal mit Pistorius wahrscheinlich beenden, sollte er angeklagt werden. Auf der deutschen Homepage des Unternehmens drückt Össur sein Bedauern über die Ereignisse aus und kündigt an, den Sportler zu unterstützen.

Eine BT-Sprecherin sagte laut "Reuters", man sei schockiert von der tragischen, schrecklichen Nachricht und warte nun die Ermittlungsergebnisse der südafrikanischen Polizei ab. ire
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