Nach Rückrufdebakel: Toyota startet Qualitätsoffensive / Absatzplus in den USA

Mittwoch, 31. März 2010
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Kaputte Gaspedale und defekte Bremsen - weltweit hatte Toyota in den vergangenen Monaten über acht Millionen Autos zurückgerufen. Der Imageschaden ist enorm. Jetzt geht der vom Rückrufdebakel gebeutelte japanische Autobauer in die Vollen. Mit einem Programm zur Qualitätssicherung will Toyota das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Am Horizont zeichnet sich unterdessen bereits eine Imagebesserung ab: In den USA steigerte der Konzern im März seinen Absatz um ein Drittel. Ein neu gegründetes Sonderkomitee unter dem Vorsitz von Toyota-Präsident Akio Toyoda hat sich gestern zum ersten Mal in Tokio getroffen. Die Aufgabe der Arbeitsgruppe: die Qualitätsstandards beim Autokonzern zu verbessern sowie die weltweite Kommunikation des Konzerns transparenter machen. Das Komitee, das aus Beschäftigten des Konzerns aus aller Welt besteht, wird "alle Unternehmens- und Produktionsprozesse von der Konstruktion bis zum Service auf ihre Qualität hin untersuchen", so das Unternehmen. Zudem soll sie unter anderem dafür sorgen, dass Kundenbeschwerden umgehend auch in der Unternehmensführung wahrgenommen werden. So genannten Chief Quality Officers werden künftig die Interessen ihrer Märkte und Kunden bei Toyota vertreten. Didier Leroy, Executive Vice-President Toyota Motor Europe, hat diese Aufgabe für Europa übernommen.

Zusätzlich sollen weltweit Expertengruppen tagen, die mit Wissenschaftlern, Ingenieuren, Vertretern von Verbraucherorganisationen und Firmenvertretern besetzt sind. Diese unabhängigen Experten sollen die neuen Maßnahmen und Strukturen überprüfen und bewerten. Bis Juni erwartet Toyota-Chef Akio Toyoda erste Ergebnisse.

In allen Modellen wird der Autobauer im laufenden Jahr ein sogenanntes "Brake-Override" System installieren, das die Sicherheit für die Fahrer erhöhen soll. Dadurch wird das Auto automatisch langsamer, wenn der Fahrer gleichzeitig bremst und Gas gibt.

Toyota hatte Anfang Februar unter anderem in Deutschland bereits Anzeigen geschaltet, in denen Alain Uyttenhoven, Geschäftsführer Toyota Deutschland, stellvertretend die Kunden um Entschuldigung gebeten hat. Das Printmotiv war in der "Süddeutschen Zeitung", der "Welt am Sonntag", in der "Financial Times Deutschland" und im "Handelsblatt" zu sehen. Unter dem Slogan" Wir riskieren lieber negative Schlagzeilen als Ihre Sicherheit" fasste der Auftritt die Fakten der größten Rückrufaktion in der Geschichte des Autobauers zusammen und nennt Informationsmöglichkeiten. Die Kreation der Anzeige übernahm Saatchi & Saatchi in Düsseldorf. jm
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