Nach Rekordverlust: Praktiker sägt Boris Becker ab und streicht TV-Werbung

Donnerstag, 29. März 2012
Boris Becker hat als Praktiker-Testimonial ausgedient
Boris Becker hat als Praktiker-Testimonial ausgedient

Die Krise bei Praktiker hat auch auf die Kommunikation des Konzerns verheerende Auswirkungen. Die Baumarktkette wird ihr Mediabudget nach HORIZONT.NET-Informationen in diesem Jahr massiv herunterfahren und ihren Kommunikationsmix neu ausrichten. Das hat auch Konsequenzen für Testimonial Boris Becker. "Praktiker wird in diesem Jahr weitgehend auf TV-Werbung verzichten", kündigt ein Sprecher des in Kirkel ansässigen Konzerns gegenüber HORIZONT.NET an. Der Mediamix wird damit förmlich auf den Kopf gestellt: Von den insgesamt knapp 25 Millionen Euro, die Praktiker laut Nielsen im vergangenen Jahr für Werbung ausgab, floss mit 16 Millionen Euro noch der Löwenanteil ins Fernsehen. Diese Werbegelder werden den TV-Vermarktern am Ende des laufenden Jahres in der Kasse fehlen. 

Auch Boris Becker wird als Markenbotschafter von Praktiker zum Auslaufmodell. Sieht man einmal von der einen oder anderen Online-Aktion auf der Praktiker-Website ab, wird das Anfang 2011 mit großem Tamtam engagierte Testimonial in der Praktiker-Werbung wohl keine Rolle mehr spielen. Der Vertrag mit dem ehemaligen Tennis-Star, der ohnehin vor allem für die von Freunde des Hauses entwickelten TV-Spots engagiert wurde, läuft in diesem Jahr aus. "Nach heutigem Stand wird es keine Verlängerung geben", erklärt der Sprecher gegenüber HORIZONT.NET.

Praktiker hat sich mit Preisaktionen selbst in die Krise manövriert
Praktiker hat sich mit Preisaktionen selbst in die Krise manövriert
Den Rückzug aus den Werbeblöcken begründet Praktiker unter anderem mit den vergleichsweise hohen Kosten für Produktion und Schaltung von TV-Spots. Dass der Konzern jeden Eurocent herumdreht, ist kein Wunder. Bei der heutigen Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2011 gab die Praktiker Gruppe einen Umsatzrückgang um 7,7 Prozent auf 3,183 Milliarden Euro bekannt. Zudem meldete der Konzern einen Rekordverlust in Höhe von 375,1 Millionen Euro. Hohe Mediainvestitionen sind angesichts dieser Zahlen offenbar nicht mehr zu rechtfertigen: "Das Werbebudget von Praktiker wird 2012 unter dem des Vorjahres liegen", erklärt der Sprecher.

Gewinner der Entwicklung sind die Verlage: Nach Aussagen des Sprechers wird sich Praktiker in diesem Jahr vor allem auf Beileger in Printmedien konzentrieren. Auch Coupons, bei denen Kunden Preisnachlässe auf einzelne Produkte erhalten, will Praktiker verstärkt einsetzen, um die Kunden in seine Filialen zu locken. Eine Rückkehr zu den "20 Prozent auf Alles"-Aktionen soll es aber nicht geben. mas
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