N97-Kampagne: Nokia umgarnt Pioniere des mobilen Internet

Dienstag, 21. Juli 2009
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Nokia gibt den Startschuss für die wohl wichtigste Werbekampagne des Jahres. Im Mittelpunkt des Auftritts steht das knapp 650 Euro teure Premium-Modell N97. Das neue Flaggschiffgerät des finnischen Handyriesen soll neben dem Kerngeschäft - dem Verkauf von Mobiltelefonen - auch die Umsätze mit digitalen Diensten kräftig ankurbeln. Der N97-Spot macht die strategische Kehrtwende des Konzerns so deutlich wie keine Kampagne zuvor. Während früher die Hardware im Mittelpunkt aller Werbemaßnahmen stand, dreht sich in dem von Wieden + Kennedy in London zentral entwickelten und von JWT, Düsseldorf, für Deutschland adaptierten Commercial alles um Widgets, digitale Dienste und Services. So nutzt der Hauptdarsteller in dem 30-Sekünder eine Vielzahl von Diensten wie etwa einen Musikerkennungs-Service, einen Newsticker, die aktuelle Wettervorhersage und eine Facebook-Anwendung, um sich die Zeit bis zum Eintreffen eines Freundes zu vertreiben.

Um die Zielgruppe der mobilen Surfer und Business-Anwender zu ködern, lehnt sich Nokia weit aus dem Fenster. "Online as it happens", lautet der selbstbewusste Claim der Kampagne - ein Versprechen, mit dem Nokia gegenüber Wettbewerbern wie Apple punkten will und das vor allem mit der individuell gestaltbaren Startseite des N97 eingelöst werden soll. Denn anders als bei herkömmlichen Nokia-Handys werden dort nicht nur statische Icons, sondern direkt Live-Meldungen von Widgets und Diensten wie Facebook oder Twitter angezeigt. "Immer die Lieblingsanwendungen live auf dem Touchscreen dabei", lautet denn auch das ins Deutsche übersetzte Produktversprechen, das eine Stimme aus dem Off verkündet.

Der Spot, dem eine Teaser-Kampagne vorausging und den Mediacom in Düsseldorf nun zunächst über den Zeitraum von einem Monat schaltet, wird im Fachhandel von aufmerksamkeitsstarken PoS-Materialien wie Postern, Deckenhängern, Thekenaufstellern und speziellen Bannern flankiert (Agentur: Wunderman, Frankfurt). Zusätzlich wird es Beileger in Printtiteln geben.

Dass Nokia mit dem N97 seinen Wandel vom Handybauer zum Anbieter digitaler Services vorantreiben will, zeigt auch die Ausstattung des Geräts. Neben einem großen Touchscreen, einem 32 Gbyte-Speicher, integrierten Navigationsfunktionen, einer 5-Megapixel-Kamera und zahlreichen Widgets bietet das Modell auch den direkten Zugang zum Ovi-Store. Die im Mai gestartete Online-Plattform, auf der Nokia seine digitalen Dienste wie den rund 5 Millionen Titel umfassenden Musicstore, Landkarten, Spiele und Anwendungen für Dienste wie Twitter bündelt und zum Verkauf anbietet, ist bei dem N97 bereits vorinstalliert. Die Messlatte liegt hoch: Wie Deutschlandchef Heikki Tarvainen kürzlich im Gespräch mit HORIZONT ankündigte, will Nokia für die unter der Dachmarke Ovi gebündelten Diensten bis Ende 2011 weltweit 300 Millionen Nutzer gewinnen. mas
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