Möbel im Bällebad: Tumblr-Blog inszeniert Erotikclips als Ikea-Katalog

Dienstag, 04. Juni 2013
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Der Ikea-Katalog hat sich zu einem Fixpunkt im Leben seiner weltweiten Klientel etabliert. Was der schwedischen Möbelmarke einerseits einen enormen Hebel für Marketingmaßnahmen liefert, kreiert andererseits Probleme in der Markenführung, die anderen Möbelherstellern eher unbekannt sein dürften. So sorgt seit Anfang Mai das Tumblr-Blog Justanotherikeacatalogue im Internet für Furore. Der Kniff: Die Betreiber des Blogs scannen digitale Erotikfilme auf Produkte von Ikea und layouten die identifizierten Clips anschließend wie Produktfotos aus dem Ikea-Katalog. Die von den digitalen Spaßvögeln gezogene Verbindung ergibt ein erstaunlich unterhaltsames und stimmiges, wenn auch definitiv nicht jugendfreies Machwerk. Mit obskuren Namen wie Lerstan, Leksvik oder Äppelkakan weckte die schwedische Kultmarke ohnehin schon immer die kuriosesten Assoziationen. Auch dass Schweden historisch gesehen eines der Geburtsländer der europäischen Erotikindustrie war, macht die Kombination noch stimmiger.

Den Markenverantwortlichen selbst dürfte allerdings das Lachen im Hals stecken bleiben. Schließlich investiert Ikea wesentliche Summen seines Marketingetats, um sein Image als Partner für junge Familien zu profilieren. Nicht umsonst ist das für Kinder konzipierte Bällebad ein definierendes Feature jeder Ikea-Niederlassung. Sollte der Blog größere Berühmtheit erreichen, ist daher mit juristischen Maßnahmen des Unternehmens zu rechnen, um die eigene Marke zu schützen.

Pikant ist allerdings, dass das Ikea-Marketing selbst indirekt die Inspiration für den Blog geliefert hat. Wie der Blogbetreiber erklärt, stammt die Inspiration von einer Guerillamarketing-Kampagne, mit der Ikea 2009 in Österreich seinen aktuellen Katalog bewarb. Damals hatte die Marke in ingesamt 92 Kinovorstellungen die Produktnamen und Preise in laufende Kinofilme projezieren lassen. Nichts anderes macht jetzt auch das Blog, wenn auch die Filmauswahl deutlich weniger respektabel ist.



Für Yahoo-CEO Marissa Mayer macht der Fall allerdings zugleich Reiz und Risiko ihrer Neu-Akquisition deutlich. Mayer hatte das Blog-Netzwerk für insgesamt 1,1 Millionen US-Dollar übernommen. Tumblr soll für Yahoo den Zugang zu Content öffnen, über den sich jugendliche Zielgruppen erreichen lassen. Darunter zählt Mayer auch explizit Blogs, die sich mit erotischen Themen beschäftigen. Aber schon Google musste bei der Vermarktung von Youtube erfahren, dass User Generated Content nur schwer zu kontrolieren ist. Ein Blog wie Justanotherikeacatalogue dürfte, bei allem Unterhaltungswert, die Gespräche mit Werbekunden mit Sicherheit nicht erleichtern. cam
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