Mit Empfehlung der Bundesregierung: dm wegen irreführender Werbung abgemahnt

Montag, 22. August 2011
Die umstrittene Doppelanzeige: Wirbt Staatssekretär Müller für dm? (Zum Vergrößern bitte klicken!)
Die umstrittene Doppelanzeige: Wirbt Staatssekretär Müller für dm? (Zum Vergrößern bitte klicken!)

Die Drogeriemarktkette dm gerät ins Visier der Wettbewerbshüter. Die Bad-Homburger Wettbewerbszentrale hat das Karlsruher Unternehmen wegen einer aktuellen Anzeigenkampagne abgemahnt. Der Vorwurf der irreführenden Werbung wiegt umso schwerer, da diesmal sogar das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz von Ministerin Ilse Aigner beteiligt ist. Entsprechend hoch schlagen die Wellen im politischen Berlin. Konkret geht es um eine Anzeigenkampagne für die sogenannte "Inform"-Initiative, mit der die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) der Bevölkerung Gesundheitstipps gibt. Diese Anzeigen lässt sich die zum Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gehörende Anstalt von diversen Unternehmen sponsern - eines davon ist die Drogeriemarktkette dm. Nach Recherchen des ARD-Politikmagazin "Report Mainz" hat dm dem Ministerium zwölf Anzeigen in der "Bild-Zeitung" im Wert von insgesamt rund 340.000 Euro zur Verfügung gestellt.


Die Drogeriekette dm steht in der Kritik
Die Drogeriekette dm steht in der Kritik
Peter Breun-Gerke, Mitglied der Geschäftsführung der Wettbewerbezentrale, hat weniger mit dem Sponsoring-Deal an sich ein Problem als mit der Gestaltung der "Inform"-Anzeige, auf der sich Staatssekretär Gerd Müller an die Bevölkerung richtet. Grund: Die "Inform"-Anzeige wird mit Werbung für dm kombiniert. "Die Werbung von dm steht direkt neben der für das Informa-Projekt", bemängelt Breun-Gerke gegenüber HORIZONT.NET. "So entsteht der Eindruck, die Bundesregierung würde den Bürgern empfehlen, bei dm einzukaufen", so Breun-Gerke weiter. Damit sei die Werbung eindeutig irreführend.

Laut Breun-Gerke hat dm noch bis zum 25. August Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben. "Sollte diese ausbleiben, muss das gerichtlich geklärt werden", droht der Wettbewerbshüter. Die Kampagne soll eigentlich noch bis Anfang September laufen. Ob dm einlenken wird, ist zurzeit noch unklar. Ein Sprecher erklärte gegenüber HORIZONT.NET, dass sich das Unternehmen noch heute dazu äußern werde.

Die Opposition läuft derweil Sturm gegen die Kampagne: Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen, bezeichnet die gesponserte Werbeaktion gegenüber "Report Mainz" als "völlig unakzeptabel". Mit der gesponserten Anzeigenkampagne werde das Neutralitätsgebot des Staates verletzt: "Hier geht es darum, dass das offizielle, sozusagen das amtliche Siegel der Bundesregierung gebraucht wird, um die Produkte dieser Drogeriemarkt-Kette abzusetzen." Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner rät er dringend, die Kampagne zu beenden.

Ähnlich äußert sich die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Elvira Drobinski-Weiß: "Ich fordere, dass die Anzeigenkampagne gestoppt wird, und zwar sofort. Das Ministerium muss sich in Zukunft an der Neutralität messen lassen", zitiert "Report Mainz" die SPD-Politikerin. mas
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