Milliarden-Deal: Warum Vodafone von einer Kabel-Deutschland-Übernahme profitieren würde

Mittwoch, 13. Februar 2013
Vodafone prüft die Übernahme von Kabel Deutschland
Vodafone prüft die Übernahme von Kabel Deutschland

In der deutschen Medienlandschaft bahnt sich möglicherweise eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse an. Vodafone plant laut einem Medienbericht die Übernahme von Kabel Deutschland. Mit dem Kauf des größten deutschen Kabelnetzbetreibers würde sich der britische Mobilfunker mit einem Schlag 8,5 Millionen TV-Kunden einverleiben - und Wettbewerber wie Deutsche Telekom, O2 und Unitymedia gehörig unter Druck setzen. Ein offizielles Statement zu den angeblichen Übernahmeplänen gibt es nicht. "Spekulationen und Marktgerüchte kommentieren wir nicht", erklären Vodafone und Kabel Deutschland unisono gegenüber HORIZONT.NET. Nach Informationen des "Manager Magazins" sind die Übernahmepläne allerdings schon sehr konkret. Wie das Wirtschaftsblatt in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, soll Vodafones neuer Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum gemeinsam mit Konzernstrategiechef Warren Finegold einen Geschäftsplan für eine Akquisition des Kabelnetzanbieters durchgerechnet haben, der an der Börse zurzeit mehr als 5,6 Milliarden Euro wert ist. Der Plan liege bereits zur Abstimmung bei Konzernchef Vittorio Colao. Neben Schulte-Bockum und Finegold soll auch Colao von der Übernahmeidee angetan sein, berichtet das "Manager Magazin".

Für Vodafone wäre eine Übernahme von Kabel Deutschland strategisch sinnvoll. Der frühere Mobilfunker, der sich erst 2009 mit der Übernahme von Arcor zum integrierten Telekommunikationskonzern mit den Sparten Mobilfunk, Festnetz, Internet und Datendienste mauserte, stößt wie auch der Wettbewerb im Kerngeschäft allmählich an Wachstumsgrenzen. Zwar arbeitet Vodafone unter Hochdruck am Ausbau des mobilen Breitbandnetzes LTE und wirbt auch kräftig dafür (siehe Spot links). Die Zahl der Mobilfunkkunden ging allerdings im 3. Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 10 Prozent auf 33,9 Millionen zurück. Auch die DSL-Kundschaft schrumpfte um 6,6 Prozent auf 3,2 Millionen. Mit dem Kauf von Kabel Deutschland hätte Vodafone die Chance, wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren.

Anzahl der DSL-Kunden von Vodafone in Deutschland vom 1. Quartal 2007 bis zum 3. Quartal 2012 (in 1.000)

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Vor allem die technische Infrastruktur mit 8,5 Millionen angeschlossenen Haushalten in 13 Bundesländern, die nach der geplanten Übernahme von Tele Columbus noch um 1,7 Millionen Haushalte anwachsen könnte, macht Kabel Deutschland für Vodafone interessant. "Die Sim-Karten sind in Deutschland längst verteilt. Wachstum gibt es nur noch im Markt für Breitband-Internet. Der Versuch, den Zugang über die Kabelhaushalte zu bekommen, ist daher eine strategische Option, die durchaus Sinn ergeben kann", erklärt Mobilfunk-Experte Mark Wächter von MWC.Mobi gegenüber HORIZONT.NET.

Anzahl der Breitbandinternetkunden von Kabel Deutschland vom 1. Quartal 2007 bis zum 3. Quartal 2012 (in 1.000)

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Synergien gibt es auch sonst reichlich. Beispiel Mobilfunk: Kabel Deutschland bietet seinen Kunden bislang Handyverträge in Kooperation mit O2 an. Mit einer Übernahme könnte Vodafone sein eigenes Mobilfunkgeschäft ankurbeln und den Wettbewerber aus München unter Druck setzen. Auch für Vodafone TV könnte der Düsseldorfer Konzern neue Kunden gewinnen.

Wieviel Vodafone für Kabel Deutschland zahlen müsste, ist unklar. Das Unternehmen, das sich nach dem Börsengang und dem späteren Ausstieg des früheren Eigentümers Providence Equity Partners inzwischen zu 100 Prozent in Streubesitz befindet, hat im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Euro erzielt. Das bereinigte EBITDA lag bei rund 795 Millionen Euro. Die größten Aktionäre sind mit etwas mehr als 10 Prozent der institutionelle Investor Blackrock sowie die norwegische Regierung mit über 6 Prozent. mas
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