Milchpreise: Aldi gibt sich als Samariter (HORIZONT.NET-Voting)

Dienstag, 10. Juni 2008
Mit dieser Anzeige trommelt Aldi Süd derzeit für seine Milchpreisstrategie
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"Einkaufspreiserhöhung um 10 Cent - Verkaufspreise steigen nur um 7 Cent!" Mit diesem plakativen Slogan wirbt Aldi Süd derzeit in Tageszeitungen für seine Milchprodukte. Die zentrale Botschaft: Obwohl die deutschen Milchbauern durch ihren Boykott nun 10 Cent mehr pro Liter bekommen, müssen die Aldi-Kunden nur 7 Cent je Liter drauflegen. "Aldi Süd gibt damit nicht die volle Preiserhöhung an Sie weiter, sondern übernimmt Verantwortung", gibt sich der Discounter kundenfreundlich.

Experten gehen allerdings nicht davon aus, dass sich Aldi in einen Samariter verwandelt hat, sondern sehen durchaus auch strategisches Eigeninteresse. "Es ist keineswegs optimal, Kostenerhöhungen voll an den Kunden weiter zu geben. Der Gewinn wird vielmehr maximiert, wenn man etwa die Hälfte der Kostensteigerung weiterreicht", klärt Hermann Simon, Chairman des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners in Bonn, auf. Die Kommunikationsstrategie des Discounters bezeichnet Simon als "außerordentlich geschickt". "Die verkaufen eine Preiserhöhung als Vorteil", so Kucher.

Vor rund zwei Wochen hatten die deutschen Milchbauern mit ihrer Blockade von Molkereien begonnen. Sie fordern mehr Geld für ihre Milch. Der Streik hat bereits in vielen Supermärkten und Discountern zu leeren Regalen geführt. mas/jm
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