Microsoft vs. Google vs. Apple: Die Werbeschlacht der Mobile-Player

Dienstag, 30. Oktober 2012
Microsoft-Boss Steve Ballmer mit Hollywood-Schauspielerin Jessica Alba
Microsoft-Boss Steve Ballmer mit Hollywood-Schauspielerin Jessica Alba

Am Montagabend wurden im Mobile-Markt die Weichen für die Zukunft gestellt. Nachdem Apple kürzlich bereits mit einem Update seines iOS-Betriebssystems und neuen iPad-Versionen vorgelegt hat, war es gestern an Microsoft und Google, ihre Produktneuheiten vorzustellen. Schon jetzt steht fest, dass der Kampf der mobilen Ökosysteme auch den Werbemarkt ankurbeln wird. Kaum waren die Neuigkeiten verkündet, tauchten im Netz auch schon die ersten Werbefilme für Google Nexus und Windows Phone 8 auf. HORIZONT.NET präsentiert die TV-Spots und zeigt, mit welcher Produktstrategie die Konzerne im Mobile-Markt punkten wollen. Schon die Art und Weise, wie Microsoft und Google am Montag ihre Produktneuheiten präsentierten, sagt einiges über die aktuellen Machtverhältnisse aus: Während Herausforderer Microsoft Windows Phone 8 mit großem Tamtam bei einem Launch-Event mit Gaststar Jessica Alba enthüllte, hatte das Management des Marktführers Google offenbar kein Problem damit, die eigene Veranstaltung wegen des Wirbelsturms Sandy komplett abzusagen - und die Weltöffentlichkeit kurzerhand über einen Blog-Post zu informieren.

Was für das Launch-Event gilt, lässt sich auch auf die Werbung übertragen. "Sie werden in den kommenden Monaten kein Magazin aufschlagen und keinen TV-Sender einschalten, ohne Werbung für Windows 8, Surface oder Windows Phone zu sehen", kündigte Microsoft-Chef Steve Ballmer gestern an. Wie die Kampagne ausschaut, davon konnten sich wenig später Besucher der Windows-Phone-Seite ein Bild machen, wo der Konzern den ersten TV-Spot für Windows Phone 8 einstellte (siehe Spot oben). Das Commercial, das einmal mehr von Crispin, Porter and Bogusky stammen dürfte, ist Teil der milliardenschweren Werbeoffensive, die Microsoft in diesen Tagen für Windows 8 startet. Dem Vernehmen nach lässt sich Microsoft die größte Werbekampagne in seiner Unternehmensgeschichte etwa 1,6 Milliarden Euro kosten.

Umblättern: Der neue Nexus-Spot von Google

Microsoft ist aber längst nicht der einzige Player, der sich mit massiven Werbespendings im Mobile-Markt einen Vorteil verschaffen will. Auch Google hat sich längst zu einem Unternehmen entwickelt, das verstärkt in klassische Kommunikation investiert. Das zeigte sich auch gestern wieder: Kurz nachdem der Internetriese das überholte Betriebssystem Android 4.2 sowie neue Tablets- und Smartphones aus der Nexus-Reihe vorstellte, tauchte auch schon der erste TV-Spot für die Produktfamilie auf (siehe Spot oben).

Ähnlich agil ist Amazon. Das Unternehmen, das sich mit seiner Kindle-Produktfamilie vom Online-Buchshop zum Tablet-Anbieter gemausert hat, mischt inzwischen ebenfalls kräftig im Mobile-Markt mit und hat seine traditionelle Abstinenz in den TV-Werbeblöcken längst aufgegeben. Aktuell macht Amazon mit einem TV-Spot auf das Kindle Fire aufmerksam.

Ob Microsoft mit Windows Phone 8 nun der große Wurf gelungen ist, bleibt abzuwarten. Konzern-Chef Steve Ballmer hatte gestern immerhin ein paar Überraschungen auf Lager. So startet Windows Phone 8 nicht nur mit acht Smartphones von Nokia, Samsung und HTC, sondern auch mit immerhin mit 120.000 Apps. Das ist zwar deutlich weniger als das, was Apple (700.000) und Google (675.000) bieten, aber mehr, als dem Konzern zugetraut wurde. Weitaus wichtiger dürfte sein, dass die Windows-Smartphones künftig dieselbe Benutzeroberfläche haben wie die mit dem Betriebssystem ausgestatteten Notebooks, PCs und Tablets und sich daher problemlos mit diesen vernetzen lassen. Auch die Startseite mit den Live-Kacheln wurde optimiert. So lassen sich alle wichtigen Apps nicht nur mit einem Blick erfassen. Der Nutzer kann die Größe und Anordnung der einzelnen Kacheln individuell bestimmen. "Windows Phone ist das persönlichste Smartphone, das es gibt", schwärmte Ballmer.

Pech nur, dass Google ebenfalls so einiges im Köcher hatte. Das Unternehmen stellte gestern nicht nur das überholte Betriebssystem Android 4.2 sowie neue hochwertige Smartphones und Tablets vor. Auch der Online-Musikdienst Google Music kommt nach Deutschland. Damit können User nicht nur Musik im Google Play Store kaufen, sondern bis zu 20.000 Songs kostenlos in die Cloud hochladen. Ein Angebot, für das Apple-Kunden 25 Euro im Jahr berappen müssen. Ohnehin schielt Google mit seiner jüngsten Produktoffensive vor allem auf die Kunden des kalifornischen Kultkonzerns. Das Tablet Nexus 10, das in der 16-GB-Variante 399 Euro kostet und damit rund 100 Euro günstiger ist als das vergleichbare iPad, zeigt auf seinem 10-Zoll-Bildschirm 2560 x 1600 Bildpunkte an - damit ist die Auflösung besser als die des hoch gelobten Retina-Display von Apple, das lediglich mit einer Auflösung von 2048 x 1536 Pixeln daherkommt.

Umblättern: Wer den Mobile-Markt beherrschen wird

 

Weltweite Marktanteile der führenden Smartphone-Betriebssysteme von 2011 bis 2015

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Von allen Playern am meisten unter Druck steht sicherlich der Microsoft-Konzern, der im Mobile-Markt bislang dem Wettbewerb hinterherhinkt: Laut iSuppli kam das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7 im Jahr 2011 gerade mal auf einen Marktanteil von überschaubaren 1,9 Prozent (siehe Chart). Marktforscher glauben, dass die Aufholjagd trotz des wesentlich verbesserten Windows Phone 8 langwierig wird. iSupply traut dem Betriebssystem in diesem Jahr einen Marktanteil von 9 Prozent zu - damit läge die Microsoft-Plattform aber immer noch deutlich hinter Googles Android mit 54 Prozent und Apples iOS mit 18 Prozent Marktanteil. Erst im Jahr 2015 soll Windows Phone zu iOS aufschließen.

Auch das Marktforschungsunternehmen Gartner glaubt nicht daran, dass Microsoft den Markt über Nacht erobern wird. Carolina Milanesi, Research Vice President bei Gartner, sagt voraus, dass sich die Zahl der verkauften Smartphones mit Windows-Betriebssystem in diesem Jahr von 8,7 auf 17,4 Millionen verdoppelt. Im Jahr 2016 sollen laut Gartner 207 Millionen Windows-Smartphones verkauft werden - damit läge Microsoft auch in vier Jahren noch hinter Google mit 1,1 Milliarden Android-Geräten und Apple mit 266 Millionen iPhones. mas
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