Micky Maus: Die Markenlegende feiert den 80. Geburtstag

Mittwoch, 19. November 2008
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Eine Marken-Legende feiert Geburtstag. Der 80-jährige Micky Maus ist eine zeitlose Ikone der Pop-Kultur und der wertvollste Charakter der Welt. Wahrscheinlich gehört es zum Gen-Pool kultisch verehrter Markengestalten, dass die Legende ihre Geburt in eine Garage verlegt. Auch Micky Maus soll in solcher Umgebung geboren worden sein. Als Geburtstag feiert er aber die Uraufführung des Films „Steamboat Willie“ am 18. November 1928 im New Yorker Colony Theatre. Die 80 Jahre sieht man Micky nicht an. Das Ergebnis mehrerer Faceliftings in den vergangenen Jahrzehnten. Im operativen Tagesgeschäft ist sein Einfluss indessen gesunken. Im Konzern muss Micky in Sachen Starruhm und bei der Besetzung von Spielfilmrolle neue Charaktere wohlwollend vorbeiziehen lassen. Sein Stern strahlt vor allem noch als Galionsfigur über die heile Welt des Disney-Imperiums. Kritiker wie Bart Simpson sehen ihn daher vor allem als „Maskottchen eines bösen Unternehmens“. Micky kann das verkraften. Der Entenhausener ist in seinem Heimatland bekannter als der Weihnachtsmann und wird vom „Forbes Magazine“ mit einem geschätzten Wert von 5,8 Milliarden US-Dollar als wertvollster Charakter der Welt eingestuft

Die Jubiläumsausgabe des Magazins
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Ohnehin musste Micky schon härtere Herausforderungen bestehen. Bald nach dem Durchbruch mit dem ersten Tonfilm „Steamboat Willie“, in dem Micky Maus noch mit Dummejungenstreichen auffiel, gab es Kritik an der nonkonformen Darstellung.

Als Reaktion wandelte sich der Star zum harmonieorientierten braven Bürger und hatte alsbald den Ruf eines Spießers weg. Ganz im Gegensatz zu seinem immer populärer werden konzerninternen Rivalen Donald Duck.

Der Vermarktung hat das nicht geschadet. Im Gegenteil. Schon 1930 wurden als Lizenzprodukt Schulmappen mit der Maus bedruckt. Inzwischen ist das Licensing eine Milliarden-Dollar-Industrie mit jeder Menge Nippes von Badeschaumfiguren bis zu Armbanduhren und Telefonen. „That sure is swell” („Das ist großartig“) würde der Mäuserich darauf wahrscheinlich mit einem seiner Lieblingssätze antworten. 

Ein Geschäft, das sich die Maus auch nicht von einem drohenden Ende des Markenschutzes nehmen lassen wollte. Disneys Lobbyarbeit in den USA machte es möglich, dass die Gültigkeit von Copyright-Ansprüchen Ende der 90er Jahre um 20 Jahre verlängert wurde. Micky-Maus-Schutzgesetz heißt es nun im Volksmund und sichert dem Mäuserich bis 2023 das Lizenz-Einkommen.

Aber da sind auch andere Einnahmen. Werbung beispielsweise. Familienfreundlich für Marken wie Fanta und Kaba. Und natürlich immer wieder für den Disney-Konzern selbst.

Vom Cartoon nach Second Life

Auch wenn der Film „Steamboat Willie“ als Geburtsstunde gefeiert wird, hatte Micky Maus den alleresten Auftritt am 15. Mai 1928 im Cartoon „Plane Crazy“. Erste Comichefte mit der Maus, die ursprünglich Mortimer heißen sollte, erschienen in den 30er Jahren in den USA. Das erste „Micky Maus“-Heft des Egmont Ehapa Verlags, der den Geburstag der Maus auch in Second Life feiert, erschien 1951. Die Auflage erreichte zuletzt rund 350/000 Exemplare. Im TV ist die Maus derzeit mit den Formaten „Disneys Mickys Clubhaus“ und „Disneys Micky Maus Wunderhaus“ auf RTL 2 zu sehen.

Micky Maus hat alles erreicht. Eigene TV-Shows, Kinofilme, Videospiele, ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, den Oscar, Pop-Ikone für Andy Warhol, selbst das eigene Comicheft schlägt sich trotz schwächelnder Auflagenzahlen und der Konkurrenz des Internet und neuer Comicstars weiter achtbar. Anders als Micky hat es auch noch kein Wettbewerber mit dem Konterfei auf eine Kreditkarte geschafft.

Wo liegen also noch mögliche Ziele? Vielleicht in der US-Präsidentschaft? Die Kampagne Mickeyforpresident.com zeigte in diesem Jahr Optionen auf. Es war allerdings nur eine Parodie. Ein kräftiges „Aw Gee“ („Ach Mensch“) soll dem möglichen Kandidaten da entschlüpft sein. Denn er würde die entsprechenden Qualifikationen durchaus mitbringen.

„Micky Maus vermittelt positive Werte wie Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Er ist ein guter Freund, er ist sehr selbstständig und selbstsicher“, sagt sein deutscher Chefredakteur Peter Höpfner vom „Micky Maus“-Verlag Egmont Ehapa.

Dennoch bleiben Niederlagen nicht aus. Die größte ist eine private: Minnie. Verheiratet ist das Glamour-Paar bis heute nicht. ork
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