Metro-Chef Olaf Koch: “Das Unternehmen hat eine Riesenchance”

Dienstag, 15. Mai 2012
Jede Menge Baustellen: Metro-Chef Koch
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Reichlich spät haben Media Markt und Saturn den Verkauf über das Internet als relevantes Business entdeckt. Erst vor 9 Monaten änderte Media-Saturn sein Geschäftsmodell. In einem „FAZ"-Interview zieht Metro-Chef Koch jetzt Zwischenbilanz: „Das Unternehmen hat eine Riesenchance." Doch die Metro-Quartalszahlen lassen eher vermuten: Das Unternehmen hat - weiterhin - ein Riesenproblem. Vor knapp zwei Wochen präsentierte Koch die Zahlen des ersten Quartals. 81 Millionen Euro Verlust bei einem Gesamtumsatz von 15,6 Milliarden Euro sprechen eine deutliche Sprache: Das Unternehmen steckt nach wie vor in der Krise, oder positiv ausgedrückt, mitten in einem schwierigen Umstrukturierungsprozess: „Wir haben in den vergangenen Monaten massiv in bessere Preise und zusätzliche Kundenservices investiert", interpretiert der 41-jährige Metro-Chef den Umstand, dass insbesondere der knallharte Preiskampf mit Internet-Händlern Amazon und Ebay für die schlechte Bilanz sorgte.

Wirklich überraschend war das nicht. Schon im Januar war an dieser Stelle von den Schwierigkeiten zu lesen, die der Metro-Konzern im Digital-Business hat: „Media-Saturn kriegt E-Commerce nicht unter Kontrolle", lautete die Headline des Artikels. Das sieht der Metro-Chef naturgemäß anders. Im „FAZ"-Interview gibt er zwar offen zu: „Das Ganze ist noch nicht perfekt, aber ich bin sicher, dass wir jetzt endlich einen Teil des Marktes für uns gewinnen können." Ein „nennenswerten" dreistelligen Millionenbetrag soll mit Internet-Verkäufen noch in diesem Jahr erzielt werden, mittelfristig soll der Umsatzanteil bei 5 bis 10 Prozent liegen.

Um das zu erreichen, muss Metro allerdings noch deutlich in wesentlichen Bereichen zulegen, vor allen Dingen auch in Sachen Geschwindigkeit. Denn während Koch damit beschäfigt ist, die beiden Umsatzbringer der Metro AG - neben Media-Markt und Saturn gehören Galeria Kaufhof und Real Deutschland zum Konzern - fit fürs 21. Jahrhundert zu machen, bewegt sich Konkurrent Amazon schon in ganz anderen Dimensionen. Ab sofort kann man dort nämlich komplette SAP-Systeme nicht kaufen, wohl aber mieten in der eigenen Cloud, der schon 2006 entwickelten Amazon Web Services: "Die Wundertüte Amazon" schreibt die "FTD" ehrfurchtsvoll. vs

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