Media-Saturn will iTunes mit eigenem Musikdienst Paroli bieten

Donnerstag, 01. September 2011
Media Saturn forciert Internet-Aktivitäten
Media Saturn forciert Internet-Aktivitäten

Der Handelsriese Media-Saturn macht Apple und dessen iTunes-Store Konkurrenz und steigt in das Geschäft mit digitalen Musik-Abos ein. Das zur Metro Group gehörende Unternehmen will noch am heutigen Donnerstag einen Online-Marktplatz unter dem Titel „Juke" freischalten, der Kunden Zugang zu Millionen von Titeln gewährt. Anders als Apple verkauft Media-Saturn die Musik nicht, sondern streamt die Stücke gegen eine Abo-Gebühr aus der Cloud. Nach Informationen des „Handelsblatt" zahlt der Kunde dafür 9,99 Euro monatlich. Der große Vorteil gegenüber anderen Streamingdiensten: Fügt der Nutzer einen Titel zu seiner Playlist hinzu, kann er diesen auch offline hören - allerdings nur solange er Abonnent ist. Rund 13 Millionen Titel stehen zum Start zur Verfügung. Die Media-Saturn-Tochter 24-7 hat in den vergangenen Wochen und Monaten entsprechende Verträge mit Plattenlabels wie Sony und Warner Music geschlossen.

„Wir starten zunächst in Deutschland, werden dann das Geschäft aber sehr schnell auf ganz Europa ausweiten", sagt Frank Taubert, Geschäftsführer von 24-7 dem „Handelsblatt". Laut dem Bundesverband Musikindustrie kauften die Deutschen im vergangenen Jahr für rund 204 Millionen Euro Musik via Download. Das ist zwar 16 Mal so viel wie 2004, jedoch immer noch nur ein Bruchteil dessen, was sie für CDs hinlegen (2010: 1,28 Milliarden Euro).

Streaming-Dienste wie Simfy oder Napster erwirtschafteten in Deutschland sogar nur 14 Millionen Euro in 2010. Allerdings gehen Experten davon aus, dass die zunehmende Verbreitung von Breitbandzugängen und vor allem internetfähigen Handys das Geschäft mit Musikdiensten aus der Cloud anschiebt. Auch Apple testet derzeit einen Streamingdienst aus der Cloud, die Beta-Version läuft bislang allerdings nur in den USA.

Media-Saturn will vor allem mit einer besseren Technik punkten. So soll Juke auch dann funktionieren, wenn der Datenempfang auf dem Handy schwach ist. Das sogenannte Dolby Pulse System biete außerdem dieselbe Qualität wie eine handelsübliche CD.

Zudem nutzt der Handelsriese seine Vertriebspower und bewirbt Juke in den Media-Markt- und Saturn-Häusern. Um seine selbständigen Kaufleute nicht zu vergraulen, gewährt der Konzern eine Vermittlerprovision für jeden Juke-Abonnenten, der aus dem Laden kommt. Zudem dürften die Händler vom Zusatzgeschäft mit entsprechender Hardware wie eben Smartphones profitieren. mh
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