Mayday, Übermüdung! Piloten schlagen in TV-Kampagne Alarm

Freitag, 27. Januar 2012
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Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC), Interessenvertretung für Piloten und Ingenieure deutscher Airlines, hat erstmals in ihrer Geschichte eine TV-Kampagne gestartet. Darin geht es um ein sensibles Thema: Die Cockpitbesatzungen beklagen sich über ungenügende Arbeitszeitregelungen und fehlende Erholung. Die Folge ist nicht selten Übermüdung während der Dienstzeit.
Für die meisten Flugreisenden sind die zwei Menschen vorne im Cockpit anonyme Wesen. Sie treten höchstens als krächzende Stimme aus den Bordlautsprechern in Erscheinung, ansonsten sieht und hört man vor und während des Fluges kaum etwas von ihnen. Doch in der Kanzel sitzen auch nur Menschen mit allzu menschlichen Bedürfnissen. Darauf möchte die VC in ihrer ersten TV-Kampagne aufmerksam machen, sagt Pressepsrecher Jörg Handwerg, ebenfalls Flugkapitän: "Der Mensch ist nun einmal keine Maschine und in diesem Sinne kann man die Laufzeiten nicht einfach wie bei einer Maschine erhöhen, sondern man muss die Leistungen, die abgefordert werden, realistisch an dem orientieren was der Mensch zu leisten vermag, ansonsten erhöht man das Sicherheitsrisiko." Laut einem Gesetzentwurf der Europäischen Luftsicherheitsbehörde EASA sollen künftig auf Kontinentalstrecken bis zu 16 Stunden Dienstzeit am Stück möglich sein. Die VC beruft sich auf Studien die belegen würden, dass bereits ab einer Dienstzeit von 12 Stunden das Unfallrisiko stark ansteige.

Der Vorstoß ins Fernsehen soll ein breiteres Publikum auf das Thema Müdigkeit bei Piloten hinzuweisen. "Die Spots richten sich an alle Menschen die ein Interesse daran haben, das das Fliegen möglichst sicher wird. Die Flugsicherheit betrifft alle Passagiere, aber auch Menschen, die eine besondere Beziehung zur Fliegerei haben, weil deren Angehörige im Flugdienst arbeiten", sagt Handwerg. Neben dem TV-Commercial, das noch bis Mitte Februar auf N24 zu sehen ist, hat die VC in Zusammenarbeit mit der Berliner Agentur MMMedia noch weitere Videos produziert.

Die Kampagne ist eingebettet in eine gesamteuropäische Initiative. Herzstück ist die Website flugdienstzeiten.de, die sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch abrufbar ist. Auf den Seiten geht es allerdings nicht ganz so bierernst zu wie in dem TV-Spot: In den weiteren Videos wird auf humorvolle Weise dargelegt, dass auch im Flugverkehr Regeln gelten, die jeder Mensch aus dem Straßenverkehr kennt. So wird eine Maschine im Flug von einem Polizei-Flugzeug zum Anhalten aufgefordert. Die Anweisung vom Kapitän darauf: "Scheiße. Flieg mal rechts ran." ire

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